"Schichtwechsel" im Walfang: Norweger lösen Japaner ab

31. März 2017, 10:38

333 Zwergwale in der Antarktis harpuniert – Norwegen nimmt 999 ins Visier

Tokio/Oslo – Ungeachtet internationaler Proteste haben japanische Walfänger in der Antarktis wieder hunderte Wale getötet. Das schwimmende Schlachthaus Nisshin Maru und zwei weitere Schiffe kehrten am Freitag in den Heimathafen der südwestlichen Walfängerstadt Shimonoseki zurück, nachdem die Jäger wie geplant 333 Zwergwale harpuniert hatten – offiziell zu "wissenschaftlichen Zwecken".

In Norwegen startet die Walfangsaison dieser Tage – Tierschützer kritisierten die erhöhte norwegische Quote für den Fang von Zwergwalen. Laut zuständigem Ministerium dürfen in diesem Jahr 999 Tiere getötet werden – im vergangenen Jahr lag die Quote bei 880 Zwergwalen. "In den letzten zwei Jahrzehnten hat Norwegen seine Waljagd systematisch ausgebaut", kritisierte Sandra Altherr von der Tierschutzorganisation Pro Wildlife.

Hintergrund

Zwerg- oder Minkewale (Balaenoptera) gehören mit einer Länge von unter zehn Metern zu den kleinsten Bartenwalen. Die geringe Größe hat die Spezies auch über die Ära des industriellen Walfangs hinweggerettet. Walfänger begannen sich für sie erst in größerem Umfang zu interessieren, nachdem die Großwalarten schon beinahe ausgerottet worden waren. Da sie zugleich vom weitgehenden Verschwinden ihrer größeren Verwandten profitiert haben dürften, gelten Zwergwale aber auch heute nicht als gefährdet. Ihre Bestände gehen in die Hunderttausende.

Die kommerzielle Jagd auf Großwale ist seit 1986 verboten. Norwegen hatte gegen das Moratorium Einspruch erhoben. Die Regierung in Tokio hingegen beruft sich auf eine Ausnahmeregelung, der zufolge Wale zu Forschungszwecken getötet werden dürfen. In den vergangenen mehr als 25 Jahren haben japanische Waljäger mehr als 10.000 Wale in den antarktischen Gewässern getötet.

Grotesk: Niemand will das Fleisch

Norwegen exportiert seit Jahren einen Teil des erbeuteten Walfleischs nach Japan. Die Norweger selbst verspeisten immer weniger davon, die Nachfrage sei trotz staatlicher Subventionen rückläufig, heißt es von Tierschutzorganisationen. Sie sehen in Norwegen inzwischen die größte Walfangnation der Welt – noch vor Island und Japan.

Auch Japans stures Festhalten an der Jagd auf Wale sorgt weltweit immer wieder für Proteste. Dort betonen Befürworter, der Walfang sei Kern der japanischen Kultur. Allerdings macht sich die große Mehrheit der Japaner gar nichts aus Walfleisch, mancherorts häufen sich auf Eis gelegte Lagerbestände. (APA, red, 31.3.2017)