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Pro & Kontra: Osterbrunch

Kolumne |
13. April 2017, 17:13

Halbe Sache – Fastfrühstück und Fastmittag

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Pro
von Christoph Prantner

Die halben Sachen sind ja immer die schönsten. Ein Damenspitzerl zum Beispiel. Oder ein Soda Zitron. Oder ein Lebensabschnittspartner. Oder ein Bausparvertrag.

Das Halbe macht das Leben menschlich – man wäre fast betrunken gewesen, fast glücklich oder fast reich. Aber eben nur fast. Denn ganz würde heißen, das Göttliche zu wollen.

Wie die zahlreichen Sprachwissenschafter unter den Lesern dieses RONDO wissen, hat die Fastenzeit etymologisch unmittelbar mit diesen halben Sachen zu tun. Ihr Autor kennt zudem auch mehrere wackere Männer persönlich, die es fast geschafft hätten, 40 Tage ohne Alkohol und Völlerei auszukommen.

Insofern ist es zwingend, die Fastenzeit mit einem Brunch zu brechen. Der ist Fastfrühstück und Fastmittag, man kann also fast richtig essen. Es gibt Schinken, aber kein Schnitzel; Spargel, aber keine Pommes Duchesse. Die Kinder sollen Eier suchen, aber nicht zu viele davon in den Mund stecken.

Wahrscheinlich ist das ganze Leben ein langer, langer Ostersonntagvormittag. Und der Brunch? Halbwegs passt er da ja immer.

Kontra
von Gudrun Springer

Der Ostersonntag ist der einzige Tag im Jahr, an dem sich Frühaufstehen lohnt. Der frühe Vogel findet die meisten Eier. Die buntgekochten. Die schokoladigen. Gefüllt mit Luft. Mit Nugat. Mit Erdbeerzuckerschaum. Oh, wie knackt die Drageeschale zwischen den Zähnen.

Hallo, ihr Häschen aus der Gummibärfamilie! Dazwischen herrlich flaumig ein paar Zentimeter Osterpinze – an Marzipankarotten auf Ostergrasbett. Dich, du Häserich im hautengen Ganzkörperstaniol, dich kenn ich doch vom Nikolaus. Oh, diese Küken aus dem Schweizer Vollmilchstall. Darauf passt, herrlich, das staubbezuckerte Lämmchen.

Als Zwischenschicht nun, bitte sehr, muss der gekochte Schinken her. Mit Kren! Mit Brot! Mit Mayonnaise! Herrlich diese Essenspause, während man ein Ei schält. Danach, den Dotter noch in der Backe, ruft unvermeidlich: die Waagrechte. Wie sich noch auf den Beinen halten?

Wie ins Schlafzimmer schlurfen? Sei gegrüßt, du Sofalehne. Jetzt drei, vier Stündchen Verdauungsschlaf ... Aber ach! Verflucht! In einer Viertelstunde! Der großfamiliäre Osterbrunch. (RONDO, 13.4.2017)