Trump-Sprecher und United-Chef: Nicht ganz falsch, völlig daneben

Kommentar |
12. April 2017, 12:38

Die peinlichen Aussagen des Trump-Sprechers und des United-Chefs zeigen, dass man die größten Fehler macht, wenn man glaubt, recht zu haben

Sean Spicer, Sprecher von US-Präsident Donald Trump, hat der Welt seit seinem Amtsantritt schon unzählige Unwahrheiten präsentiert. Nach seinem letzten verbalen Patzer muss er wohl tatsächlich um seinen Job bangen. Dabei war die Aussage über Adolf Hitler und Chemiewaffen, für die er nun massiv attackiert wird, im Gegensatz zu seinen sonstigen "alternativen Fakten" nicht ganz falsch.

Es stimmt, dass im Zweiten Weltkrieg keine Chemiewaffen auf dem Schlachtfeld eingesetzt wurden, auch nicht von der Wehrmacht. Das lag zum Teil daran, dass Hitler die Gräuel des Giftgases im Ersten Weltkrieg selbst erlebt hatte und wusste, dass die Gegner bei einem Ersteinsatz mit gleichen Mitteln zurückschlagen würden.

Der Verzicht auf Chemiewaffen ist daher eine der wenigen militärischen Konventionen, die seit 1918 mit nur wenigen Ausnahmen – vor allem durch Saddam Hussein – gehalten haben. Das ist ein legitimes Argument, um die militärische Reaktion der USA auf Assads Sarin-Einsatz zu rechtfertigen.

Unmoralischer Vergleich

Doch Spicer hat sich dabei in einen Wirbel geredet, indem er Assad und Hitler moralisch verglich (Letzterer sei "nicht so tief gesunken") und dabei den millionenfachen Mord durch Giftgas in den NS-Vernichtungslagern einfach vergaß. Dass er weiters suggerierte, die Nazis hätten mit Zyklon B nicht auch "die eigenen Leute", nämlich an die 180.000 Deutschen jüdischen Glaubens oder Herkunft, ermordet, und schließlich die KZs als "Holocaust-Zentren" bezeichnete, tat das Übrige, um ihn als ignoranten Antisemiten aussehen zu lassen.

Historisches Halbwissen, gepaart mit fehlender Sensibilität und Überheblichkeit, hat Spicer einen Augenblick beschert, den er wohl noch lange bereuen wird.

Der Passagier wurde "neu untergebracht"

Ähnlich schlecht steht der Chef von United Airlines, Oscar Munoz, da, nachdem er in einer ersten Reaktion die gewaltsame Entfernung eines 69-jährigen Arztes aus einer überbuchten United-Maschine zunächst verteidigt hatte. Munoz nannte den Vorfall zwar "erschütternd", fügte aber hinzu, die Fluglinie habe den brutal herausgezerrten Mann "neu unterbringen" (re-accomodate") müssen, weil er streitlustig gewesen sei. Erst beim dritten Mal gelang ihm eine echte Entschuldigung, da hatte die Fluglinie schon einen enormen Imageschaden erlitten – und die Aktien hatten an den Börsen Milliarden verloren.

Wie konnte Munoz so unsensibel reagieren? Das lag vor allem daran, dass die Fluglinie formal im Recht war. Sie darf jeden Passagier auch ohne Grund von Bord eines ihrer Flugzeuge verweisen, solange sie dabei nicht diskriminierend vorgeht. Und wer sich den Anweisungen des Personals widersetzt, der muss mit Zwangsmaßnahmen rechnen.

Wenn sie sich im Recht fühlen ...

Aber einen Mann körperlich zu malträtieren, weil er die Fehlplanung der Fluglinie nicht freiwillig ausbaden will, ist dennoch ein massives Unrecht, das Munoz sogar den Kopf kosten könnte.

Es ist eine Warnung, die vor allem für Menschen in Machtpositionen gilt: Wenn sie sich im Recht fühlen, machen sie die größten Fehler. (Eric Frey, 12.4.2017)