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Warum die Vernetzung unter Wissenschaftern essenziell ist

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13. April 2017, 09:24

Der persönliche Kontakt zu Kollegen weltweit, etwa auf Konferenzen wie der CAA, gehört zum Arbeitsalltag einer Archäologin. Auch die Vernetzung im digitalen Bereich erweitert den Horizont

Anfang März machte ich mich auf den Weg nach Atlanta, Georgia, zur International Conference for Computer Applications and Quantitative Methods in Archaeology, kurz CAA. Diese Konferenz befasst sich mit dem Einsatz von Computertechnologie in der Archäologie und wird einmal jährlich abgehalten, zumeist in Europa, hin und wieder aber auch auf anderen Kontinenten. In diesem Jahr waren wir an der Georgia State University zu Gast – eine gute Gelegenheit, amerikanische Kollegen kennenzulernen, die aufgrund der weiten Anreise nach Europa nicht so oft zu den jährlichen Treffen kommen können.

Wie in vielen anderen Bereichen ist Vernetzung auch in der Wissenschaft essenziell. Dabei geht es in erster Linie um die Vernetzung von Information. Das Wissen um neueste Studienergebnisse, laufende Projekte oder auch vielversprechende Forschungsansätze ist unabdingbar, will man die archäologische Forschung als Ganzes vorantreiben. Man müsste natürlich nicht unbedingt nach Amerika fliegen, um sich über manche dieser Aspekte auf dem Laufenden zu halten.

"Publish or perish!"

Die Publikation wissenschaftlicher Studien in nationalen und internationalen Fachzeitschriften ist unerlässlich. "Publish or perish!" ("Publiziere oder verschwinde!") heißt eine Maxime im akademischen Forschungsbetrieb. Und sie ist heute, im Zeitalter von Researchgate, einer Art Facebook für Wissenschafter, und Impaktfaktoren gültiger denn je. Der Versuch einer metrischen Erfassung von Reichweite und Einfluss einer Studie durch die Anzahl der darauf verweisenden Zitate ist übrigens ein umstrittener Ansatz.

Sich auf diese Weise über die neuesten wissenschaftlichen Forschungen auf dem Laufenden zu halten gehört sozusagen zum Arbeitsalltag eines Archäologen; trotzdem ersetzt es nicht den persönlichen Kontakt zwischen den einzelnen Wissenschaftern. Darum gibt es Konferenzen, die auch die soziale Vernetzung ermöglichen, also den ungezwungenen Austausch der Wissenschafter untereinander. Hier können neue Kontakte geknüpft werden, kann man seine Arbeit vorstellen – vor allem für junge Wissenschafter ist das wichtig, um sich einen Namen in der Szene zu machen –, und zeitnah neueste Entwicklungen innerhalb des eigenen Fachgebietes diskutieren. Konferenzen sind also ein wichtiger Forschungsinkubator und bereiten oft den Boden für zukünftige internationale Kooperationen.

400 Wissenschafter aus aller Welt

An der diesjährigen Konferenz in Atlanta nehmen circa 400 Wissenschafter aus aller Welt teil. Die Konferenz dauert drei Tage und bietet 38 Sessions zu Themen wie Akquirierung von dreidimensionalen Daten und deren Modellierung. Dabei geht es vor allem um den Einsatz von Laserscanning-Technologie und/oder die Verwendung von Image-Based Modeling für die Erstellung dreidimensionaler Daten zur Dokumentation und Analyse von archäologischen Funden und Befunden. Hierzu gehört auch die anschließende Verwendung dieser Modelle für die Schaffung virtueller dreidimensionaler Welten in der Analyse sowie in der Veranschaulichung von Hypothesen und Forschungsergebnissen oder in der Wissensvermittlung und der Öffentlichkeitsarbeit.

Gleich mehrere Sessions befassen sich mit den Entwicklungen der Digitalen Archäologie und ihrer Rolle in den traditionellen Geisteswissenschaften sowie dem Einfluss, den die computergestützte Archäologie in der Ausbildung und Veröffentlichung von Forschungsergebnissen spielen sollte. Ein weiterer Fokus des Konferenzprogramms liegt auf Strategien zur Nutzung internationaler Großdatenbanken und -plattformen, die durch immer bessere Vernetzung von archäologischen Daten immer umfassendere Analysen ermöglichen.

Eine Session leiten

Der Einsatz von Geografischen Informationssystemen (GIS) in der Archäologie, also Programmen, die dabei helfen, räumliche Daten zu erfassen, zu organisieren, zu bearbeiten, und zu präsentieren, hat wie immer seinen großen Auftritt: Daten-, Netzwerk- und Landschaftsanalysen werden durch den Einsatz dieser Software wesentlich erleichtert und machen archäologische Forschung, wie sie heute durchgeführt wird, erst möglich.

Zu meiner Freude ist auf der diesjährigen Konferenz die Archäologische Prospektion mit vier Sessions besonders stark vertreten. Eine davon, mit dem Schwerpunkt auf Geophysik, wurde von mir und meiner amerikanischen Kollegin Christine Markussen organisiert. Das bedeutet konkret, ein Thema vorzuschlagen und einzureichen, die Session zu leiten, auf die Einhaltung der Zeit der einzelnen Vorträge zu achten – ein ebenso banaler wie wichtiger Punkt; Wissenschafter lieben es, ohne Punkt und Komma über ihre eigene Arbeit zu sprechen – und die Diskussion unter den anwesenden Forschern zu stimulieren.

Workshops zur Weiterbildung

Ergänzend zum Vortragsteil gibt es auf der CAA auch Workshops zur Einschulung in die Arbeit mit verschiedensten Softwarepaketen wie Ochre, die speziell für das Management archäologischer Daten entwickelt wurden. Man kann sich über Dokumentationsstandards im Museumsbetrieb informieren, die auf Cidoc, dem International Commitee for Documentation, basieren. Solche Standards sind wichtig für die weltweite Vernetzung von archäologischen Datenbanken, durchgeführt beispielsweise über das Ariadne-Portal.

Weitere Themenschwerpunkte liegen auf dem Einsatz von Agent-Based Modelling und der Verwendung von Open-Source-GIS-Programmen sowie der Anwendung von Network Science und Statistik für den Umgang mit Unschärfen in archäologischen Datensätzen. Auch die Verwendung von Google Earth Engine für den Denkmalschutz oder die spezielle Nutzung von Airborne-Laserscanning-Daten für die Interpretation archäologischer Landschaften wird unterrichtet.

Immer wichtiger: Die Konferenz auch im Netz

Der Besuch von Konferenzen ist ein Teil meiner Arbeit als Wissenschafterin, um meine und die Arbeit meines Instituts international vorzustellen und mich über die Entwicklungen in meinem Forschungsgebiet auf dem Laufenden zu halten. Eine solche Reise ist aber auch eine zeitaufwendige und kostspielige Sache und ohne institutionelle Anbindung, wie im Falle von freischaffenden Archäologen und Studenten, oft nicht zu bezahlen.

Aus diesem Grund findet die Vernetzung immer öfter auch im digitalen Raum über Kanäle wie Twitter statt. Teilnehmer einer Konferenz tweeten unter einem offiziellen Hashtag, in diesem Falle #CAAAtlanta, die wichtigsten Inhalte, sodass nicht anwesende Wissenschafter das Geschehen von ihrem Schreibtisch aus mitverfolgen können. Ich habe das für die CAA auf meinem Twitter-Account @geoarchlady für die geophysikalischen Inhalte getan. Einige Sessions der CAA werden mittlerweile auch gefilmt und auf Youtube ins Netz gestellt. Diese Entwicklung wird sich mit ziemlicher Sicherheit in den nächsten Jahren intensiveren, mittlerweile gibt es bereits versuchsweise die ersten Twitterkonferenzen im Netz, obgleich die physische Anwesenheit auf einer Konferenz natürlich nicht zu ersetzen ist.

Für mich war die CAA in Atlanta eine sehr erfolgreiche Konferenz, eine Möglichkeit, Kollegen aus aller Welt wiederzutreffen und meinen Horizont zu erweitern – auch in Bezug auf die Archäologie in Nordamerika. Mehr davon werde ich in meinem nächsten Blogbeitrag berichten. (Petra Schneidhofer, 13.4.2017)

Petra Schneidhofer ist Geoarchäologin und arbeitet am Ludwig-Boltzmann-Institut für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie in Wien. Sie beschäftigt sich mit Geomagnetik, Bodenradar, der Verwendung von Luftbild- und Satellitenaufnahmen sowie 3-D-Visualisierungen.

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