IWF: Warnung vor zu vielen kleinen Banken in Europa

19. April 2017, 15:55

Finanzstabilität bessert sich, Gefahr der Blasenbildung in China

Washington – Rund zehn Jahre nach Beginn der Weltwirtschaftskrise haben die Aufräumarbeiten im Bankensektor deutliche Fortschritte gemacht. Das Risiko einer neuen Krise sei so niedrig wie schon lange nicht mehr: Das ist die gute Nachricht aus dem am Mittwoch in Washington vorgestellten Bericht des Internationalen Währungsfonds (IWF) zur internationalen Finanzstabilität. Die schlechte lautet, dass vor allem in Europa viele Institute, besonders kleine und lokal tätige, weiter mit Problemen und nicht vorhandener Profitabilität kämpfen.

Zu viele faule Kredite

Zu den größten Sorgen des IWF zählten in den vergangenen Jahren die faulen Kredite, die von Bankkunden nicht mehr bedient werden. Das Ausmaß dieser Non-performing Loans ist laut Währungsfonds in den vergangenen beiden Jahren zwar um rund 120 Milliarden US-Dollar zurückgegangen. Doch noch immer schleppen Europas Kredithäuser faule Kredite in Höhe von einer Billion Dollar (940 Milliarden Euro) mit sich herum. Die größten Probleme gibt es laut Währungsfonds in Irland, wo 8,5 Prozent der Kredite faul sind. Aber auch in Italien (6,2) und Portugal (4,3 Prozent) sei die Quote bedenklich hoch. In Österreich liegt sie bei 1,3 Prozent.

Banken kämpfen oft jahrelang mit faulen Krediten in ihren Bilanzen, versuchen Darlehen umzustrukturieren, indem sie etwas Zahlungsaufschübe mit den Kunden verhandeln. Doch dieser Prozess dauert lange und bindet Ressourcen in Banken. Der IWF würde es begrüßen, wenn Kreditinstitute schneller aufräumen und Kredite, die nicht einbringlich sind, abschreiben. Aber das würde eben auch bedeuten, dass die Institute aktuell höhere Verluste in Kauf nehmen müssten. Das wollen viele Kreditinstitute nicht.

Kritik an Österreich

Ein anderes zentrales Problem laut Finanzstabilitätsbericht des IWF in Europa ist, dass in vielen Ländern zu viele kleine Banken existieren – hier wird auch Österreich mehrmals kritisch erwähnt. Kleinen Banken mit lediglich lokalem Fokus sind in den Augen des IWF oft nicht in der Lage, ausreichend Gewinne zu erwirtschaften. Ohne Profite können die Institute auch keine Sicherheitspuffer aufbauen. Die kleinen Banken hätten im Gegensatz zu großen Instituten auch zu geringe Fortschritte bei Aufräumarbeiten wegen fauler Kredite gemacht.

Im europäischen Vergleich sei Österreich eines der Länder mit den meisten kleinen Kreditinstituten: Der Währungsfonds spricht von 678 selbstständigen Banken. Zum Vergleich: In Belgien sind es 99, in den Niederlanden 209. Die Zersplitterung in Österreich ist traditionell im Sparkassen- und Raiffeisensektor groß.

Aber kennen lokale Banken ihre Kunden und Gemeinden nicht viel besser, können das Umfeld also besser einschätzen? In vielen Fällen sei das der Fall, sagt der oberste IWF-Bankenspezialist Tobias Adrian. Doch oft treibe die fehlende Gewinnaussicht kleine Banken dazu, überhöhte Risiken in Kauf zu nehmen, so Adrian. Das habe die Finanzkrise gezeigt.

Kredite in China schnellen hoch

Eine Warnung gibt es vom Internationalen Währungsfonds aber auch für China. Seit 2010 sind die Kredite der chinesischen Banken an Unternehmer und Konsumenten massiv in die Höhe geschossen. Noch 2010 lag das Volumen der Darlehen bei insgesamt 140 Prozent der chinesischen Wirtschaftsleistung. Heute sind es bereits rund 200 Prozent.

Eine so schnelle Expansion erinnere an Kreditblasen der vergangenen Jahre, etwa in den USA im Vorfeld des Ausbruchs der Weltwirtschaftskrise. Die chinesische Nationalbank habe 2016 versucht, das Wachstum zu bremsen, etwa indem sie die Kreditvergabe an Privatbanken drosselte. Doch dieses Unterfangen sei selbst heikel, weil es für Turbulenzen an den Finanzmärkten sorge. Verunsicherte Investoren aus dem Westen haben als Reaktion auf die Interventionen der Notenbank aus Angst vor Problemen chinesische Wertpapiere verkauft. Damit waren die Banken in der Volksrepublik, die ebenfalls in diese Wertpapiere investiert haben, erst recht mit weiteren Problemen konfrontiert. (András Szigetvari aus Washington, 19.4.2017)