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Frost: Obst- und Weinbauern drohen massive Ernteausfälle

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20. April 2017, 09:00

In der Nacht auf Freitag wird das Thermometer deutlich unter null sinken. Die Obst- und Weinbauern befürchten schwere Ernteausfälle

Wien – Mit gut 50 Millionen Euro war die vorjährige Frostaktion die bisher größte Entschädigungsmaßnahme für witterungsbedingte Ernteausfälle in Österreich. Behalten die Wetterfrösche der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (Zamg) allerdings recht und sinken die Temperaturen deutlich unter null Grad, könnten die Schäden in der Landwirtschaft jene aus dem Jahr 2016 möglicherweise noch übertreffen.

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"Die entscheidende Nacht ist die von Donnerstag auf Freitag dieser Woche. Dann werden sich laut Prognose die Wolken verziehen, das Thermometer könnte dann bei klarer Nacht deutlich unter die Null-Grad-Marke sinken", sagte Josef Glatt, Weinbauexperte in der Landwirtschaftskammer, dem STANDARD.

Abhängig davon, wie weit die kalte Luft aus dem Norden vordringe, sei eine eher überschaubare bis eine sehr große Zahl landwirtschaftlicher Flächen von Frost bedroht. Als erstes Weinbaugebiet ist, wie es aussieht, die Gegend um Krems in Niederösterreich vom drohenden Frosteinbruch betroffen.

Vorbereitungen für Ernstfall

Die Vorbereitungen für die Frostnächte laufen bei den Landwirten jedenfalls auf Hochtouren. In vielen Weingärten werden bereits Strohballen für das "Räuchern" vorbereitet. Zweck des Anzündens ist entgegen weitläufiger Ansicht nicht, die Temperatur in Bodennähe zu erhöhen; die Rauchwolken sollen vielmehr verhindern, dass eine zu schnelle Erwärmung durch starke Sonneneinstrahlung nach dem Frost die Reben zerstört.

Eine weitere, wenn auch teurere Maßnahme des Frostschutzes ist der Einsatz von Paraffinkerzen. Mit 200 bis 250 Stück pro Hektar lässt sich die Bodentemperatur damit um ein bis zwei Grad anheben.

Andere versuchen, mittels Hubschrauberflügen kalte und wärmere Luftschichten über den Weingärten zu vermischen und so die Gefahr von Frost zu bannen.

Auch die Obstbauern treffen bereits Vorkehrungen. Ihre Bäume stehen vielfach schon in voller Blüte, zehn bis 14 Tage früher als normal. Das wiederum erhöht die Gefahr durch Frost. Denn ab dem Moment, wo die Blüte aufgeht, ist sie extrem empfindlich. Da reicht mitunter schon ein halbes Grad minus über einen längeren Zeitraum, dass es zu Schädigungen kommt.

Gefahr durch Schnee

Aber auch der Schnee, der am Mittwoch weite Teile Österreichs in spätwinterliches Weiß gehüllt hat, ist für Obstbäume in voller Blüte eine ernsthafte Gefahr. Weinreben, die um diese Zeit noch nicht stark ausgetrieben haben, können den Schnee jedenfalls leichter wegstecken als Apfel-, Kirsch- oder Marillenbäume. "Sollte sich die Schneedecke jedoch längere Zeit halten, wäre das auch für die Weinreben kritisch", sagte Weinbauexperte Glatt.

Das effizienteste Schutzmittel sei eine Frostberegnungsanlage, sagt Johann Greimel, Obstbauexperte im Landwirtschaftsministerium. Indem über der Baumkrone Wasser versprüht wird, bildet sich ein Eisfilm um die Blüten, wodurch diese vor Frost geschützt sind. Die Investitionskosten seien zwar verhältnismäßig hoch, sie zahlten sich à la longue aber aus.

Greimel: "Wenn man bedenkt, dass es im vergangenen Frühjahr schon etliche Frostnächte gab, jetzt wieder und nächstes Jahr wahrscheinlich auch, dann kann man nicht einfach zusehen, dann muss man was tun." Das Problem sei in den meisten Fällen weniger die Installation einer Beregnungsanlage als vielmehr die Zuleitung des Wassers zur Plantage. Gemüsebauern verwenden auch Vliesstoff, um die Setzlinge vor Kälte zu schützen. Manche Obstbauern wickeln Blüten und Äste in Vlies ein.

Neben Apfel, Kirsch und Marille sind laut Greimel auch Teile der Birnen- und Zwetschkenernte gefährdet, sollten die Temperaturen auf minus drei Grad Celsius oder noch tiefer fallen.

Manche Schutzmaßnahme kann auch nach hinten losgehen. Im Vorjahr haben einige Bauern Hagelnetze über ihre Obstplantagen gelegt; sie sollten helfen, die Temperatur um ein bis zwei Grad zu erhöhen. Dann gab es aber Schneefall und in der Folge Bruchschäden. (Günther Strobl, 20.4.2017)