Fox News bestätigt: Starmoderator Bill O'Reilly muss gehen

20. April 2017, 06:06

Er soll mit dem Sender Schweigegeld an fünf Frauen gezahlt haben, die ihm sexuelle Belästigung vorwerfen

Washington – Der konservativ geprägte US-Sender Fox News hat sich nach Berichten über sexuelle Übergriffe von seinem Starmoderator Bill O'Reilly getrennt. Das Mutterunternehmen des zum Imperium von Medienzar Rupert Murdoch gehörenden Senders bestätigte die Personalie.

"Nach einer sorgfältigen Prüfung der Vorwürfe stimmen das Unternehmen und Bill O'Reilly überein, dass Bill O'Reilly nicht auf Fox News zurückkehren wird", hieß es in einer Stellungnahme der 21st Century Fox am Mittwoch. Der "O'Reilly Factor" war einer der beliebtesten politischen Sendungen bei Fox. Der Moderator wurde dabei über Jahrzehnte als provozierender Fragesteller und Meinungsmacher wahrgenommen. Er fiel durch teils extreme Positionen auf. So erklärte er, die Todesstrafe sei für einige Straftäter zu human, diese hätten stattdessen Arbeitslager verdient.

"Kein schlechter Mensch"

Zuletzt hatte sich US-Präsident Donald Trump hinter O'Reilly gestellt. Dieser sei "kein schlechter Mensch", sagte der Präsident nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen den Moderator. Fox News war in den vergangenen Wochen zu einer Art Haussender für Trump geworden. Während er andere Medien als Staatsfeinde beschimpfte, lobte er die angeblich stets korrekte Darstellungsweise des Murdoch-Senders, dessen Journalisten sich oft lobend über die Politik Trumps äußern.

Nach Enthüllungen der "New York Times" über die mutmaßliche sexuelle Belästigung mehrerer Frauen durch O'Reilly hat seine populäre Sendung beim Sender Fox News zahlreiche zahlungskräftige Werbekunden verloren. Unter anderem die Autokonzerne Mercedes-Benz, BMW, Toyota und Hyundai setzten ihre Aufträge für Werbespots während der Sendung "The O'Reilly Factor" aus.

Die "New York Times" hatte berichtet, O'Reilly und sein Sender Fox News hätten insgesamt 13 Millionen Dollar (12,2 Millionen Euro) als Schweigegeld an fünf Frauen gezahlt, die dem 67-jährigen Moderator Belästigung vorgeworfen hätten. Im Gegenzug mussten sich die Frauen demnach verpflichten, die Vorwürfe nicht öffentlich zu machen und keine Klagen einzureichen. Es handle sich bei ihnen um Frauen, die entweder für O'Reillys Show arbeiteten oder dort regelmäßig zu Gast waren, hieß es in dem Bericht.

O'Reilly bestreitet alle Vorwürfe und vermutet eine Verschwörung gegen sich. Fox war in der Vergangenheit mehrfach wegen sexueller Übergriffe hochrangiger Mitarbeiter in die Schlagzeilen geraten. Unter anderem hatte der frühere Sender-Chef Roger Ailes gehen müssen, weil ihm Moderatorinnen Übergriffe vorgeworfen hatte. (red, APA, 19.4.2017)