Foto: Heribert Corn

Wiener Festwochen: Ein Aufblas-Hamam im Performeum

20. April 2017, 16:33

Im neuen Musentempel der Wiener Festwochen wird für geistige Erhitzung gesorgt

Wien – In den Hallen eines ehemaligen Bierdepots wird eine türkische Badeanstalt (Hamam) aufgeblasen. Schauplatz Laxenburger Straße 2a: Dort richten die Wiener Festwochen ab 18. Mai ihr Performeum ein, einen queeren Musentempel für Ausstellung, Performance und Diskurs. Die luftgetragene Drei-Kuppel-Installation des Hamam gehört allerdings eher aus unterbringungstechnischen Gründen dem Performeum-Format an, denn sie soll vor allem Teil einer "Akademie des Verlernens" sein, die sich mit zahlreichen Veranstaltungen gegen diskriminierende Denkgewohnheiten der westlichen Kultur wendet.

"Hamamness" – eine Verbindung aus Hamam und Wellness – ist die heiße (45° C) Badefreude betitelt, unter deren Kuppeln vier verschiedene Themenblöcke an jeweils vier Tagen für geistige Erhitzung sorgen. Das hat die Hamamness bereits vor zwei Jahren beim Live Art Festival auf Kampnagel in Hamburg getan, dort allerdings mit neun Themen.

Damals kostete ein Besuch noch zwölf, in Wien sind es nun 25 Euro; ein Viererblock für alle Themen ist um 60 Euro zu haben. Badekleidung soll mitgebracht werden, das waschechte Hamam-Handtuch, ein Pestemal, gibt es vor Ort.

In den Gummiblasen heißt es dann: "Die Zeit des Otherings ist vorbei", wenn Zukunftsdeutung und Orient-Stereotype mit "Fat Activism / Acceptance, Self Love und Raumeinnahme" aufgeschäumt werden. Weiters wird queeres Wissen gedampft, kann kollektive Melancholie gespürt werden und erschallt der Ruf zum "Gender Jihad".

Letzterer wird aber nur an "Frauen & Femmes" gerichtet. Verantwortliche "Prof*X" für dieses bunt ausgeleuchtete Feuchtbiotop der Akademie des Verlernens ist Nuray Demir.

Im Performeum, das als "temporäres Museum für performative Künste" angelegt ist, werden auch "fließende Grenzen", so steht es im Programmbuch, "eingerissen". Zum Beispiel in der Ausstellung The Conundrum of Imagination mit 16 künstlerischen Positionen zur Fragwürdigkeit des Zeitalters der Entdeckungen. Oder in Performances wie Death Center for the Living von Daniel Lie, Ben Pryors House of Realness und Jamal Harewoods The Privileged. (ploe, 20.4.2017)