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Backstein: Neue Bauten, alter Baustoff

Rezension |
23. April 2017, 10:00

Ein Buch zeigt Einfamilienhäuser aus Backstein aus aller Welt und will Häuslbauer inspirieren

Auch die Architektur unterliegt Moden. Zwar ändern sich diese nicht rasant, doch über die Jahre kommen und gehen auch in diesem Bereich bestimmte Trends. Was bleibt, sind Baustoffe, die sich bewährt haben. Einer davon ist Backstein. Die kleinen Bauteile aus gebranntem Ton werden auch für moderne Bauten in allen Formen und Farben eingesetzt und sind Thema des Buches "Moderne Einfamilienhäuser aus Backstein" von Jens Kallfelz und Katharina Ricklefs.

Ein regelrechtes Loblied an den Backstein ist das Vorwort des Bandes, geschrieben von Architekt und Redakteur Wolfgang Bachmann. Neben den Vorteilen des Baustoffes – er ist nachhaltig, extrem belastbar, wertbeständig, praktisch wartungsfrei und schafft ein gesundes Raumklima – ist ein Haus aus Backstein auch individuell. "Vor allem Steine mit charaktervollen Unregelmäßigkeiten erfreuen sich einer besonderen Beliebtheit. Man kann etwas genießerisch sagen: Was beim Champagner die Flaschengärung ist, sind beim Ziegelbrennen beispielsweise Wasserstrich und Kohlenbrand", schreibt Bachmann. Und so spiegelt der Backstein auch den Zeitgeist wider, der heute vor allem durch Individualismus geprägt ist – gerade auch wenn es um den Bau von Einfamilienhäusern geht.

Wie unterschiedlich sich Backstein tatsächlich einsetzen lässt, zeigen die 27 Einfamilienhäuser aus der ganzen Welt, die im Buch vorgestellt werden – die meisten davon waren Einreichungen für den renommierten Fritz-Höger-Preis für Backsteinarchitekur. Darunter ist etwa eine noble Stadtvilla in Berlin, ein schlichtes Strandhaus in Sri Lanka, ein kunstvolles Ferienhaus in Südschweden oder eine umgebaute Scheune in Sachsen-Anhalt.

Philosophischer Zugang

Jedes der beschriebenen Häuser wird mit zahlreichen – teilweise etwas unscharfen – Fotos, beschreibendem Text, wissenswerten Fakten wie Größe, Baukosten, Energiebedarf, Anzahl der Bewohner und Lage vorgestellt, zu jedem Gebäude gibt es außerdem einen Grundriss. In kurzen Zitaten erklären die ausführenden Architekten jeweils ihre Intentionen bei der Planung des Hauses oder erzählen – mitunter sehr philosophisch – von ihrem ganz persönlichen Zugang zum Material Backstein. Wer das Buch aufmerksam liest, lernt zudem allerhand Praktisches, etwa wie Backsteine hergestellt werden, welche Steinformate und Mauerwerksverbände es gibt oder welche Farben und Oberflächen er haben kann.

Der schon erwähnte Fritz-Höger-Preis will per Eigendefinition Impulse geben und Inspirationsquelle sein, das schafft auch dieses Buch, das in die Zukunft der Backsteinarchitektur weist. Recht passend, glaubt man den zitierten Jan Rösler Architekten, die meinen: "Backstein ist wie ein guter Wein – mit der Zeit wird er immer besser." (bere, 23.4.2017)