Foto: ORF / Hubert Mican

Wiener "Tatort": Lebensmüde Kiwara

22. April 2017, 11:00

Das sich mehr oder weniger von allein schreibende Thema des "Bad Lieutenant" steht im Zentrum des aktuellen Wiener "Tatort"

Dass ein Kiwara kein Hawara ist, ist ein uraltes Leitmotiv der Filmgeschichte. Für den 40. österreichischen Tatort mit dem von Harald Krassnitzer dargestellten Major Moritz Eisner hat dieses Thema nun auch der vor allem zu seinem eigenen Glück mit einer unbeschränkten ORF-Drehbuchvollmacht ausgestattete Uli Brée aufgegriffen. Brée ist unter anderem bekannt als Autor hinter Vier Frauen und ein Todesfall, Vorstadtweiber, Tatort, Tatort, aber auch Tatort – und ab 2018 werden wir durch ihn serienmäßig Männerschmerzen erleiden.

Das sich mehr oder weniger von allein schreibende Thema des "Bad Lieutenant" steht jedenfalls im Zentrum der aktuellen Wiener Folge Wehrlos. Wenn es nicht gerade mild depressiv wird (Kabarettist Thomas Stipsits ist im ORF als lustig-schwermütiger Polizist Inhaber einer Saisonkarte), dann taucht Simon Schwarz als hoppertatschiger Zuhälter auf. Im Hintergrund wuselt diverses Stammpersonal aus Braunschlag herum, das über die Landkrimis nach Schnell ermittelt vermittelt wurde, um dann in Willkommen Österreich Werbung für Soko Donau zu machen. Die Musik kommt von den Sofa Surfers, deren Exgitarrist Christian Dolezal zuletzt in den ORF-Cop-Stories als überzeugender Ungustl zu sehen war.

Harald Krassnitzer ist mittlerweile nach all seinen Tatorten überzeugend lebensmüde. Er schleppt sich durch diese 88 Minuten in Echtzeit. Adele Neuhauser als Bibi Fellner übt als Einzige ihren Beruf mit Verve aus. An Hubsi Kramar als Chef von allem ist tatsächlich ein toller Anzugträger verlorengegangen. Ursula Strauss und Robert Palfrader hatten dieses Mal keine Zeit. Sie drehen gerade mit Tobias Moretti Motel Sacher – The Bitch is Back. (Christian Schachinger, 22.4.2017)