ORF-Machtkampf: Burgenlands Stiftungsrat stellt sich hinter Prantner

27. April 2017, 15:00

Ivancsics: "Klare Worte" von Prantner – Zentralbetriebsrat Moser kritisiert ÖVP-Mediensprecher Amon: Generalangriff auf Arbeitnehmerrechte aus parteipolitischen Gründen

Wien – Der Stiftungsrat des rot-blauen Burgenlands, Martin Ivancsics, hat sich hinter den als FPÖ-nah geltenden ORF-Online-Chef Thomas Prantner gestellt. Weiters forderte Ivancsics am Donnerstag die rasche Umsetzung der Strukturreform. Zentralbetriebsratschef Gerhard Moser wiederum ärgerte sich über ÖVP-Generalsekretär Werner Amon und darüber, dass sein Schreiben an die Öffentlichkeit gelangte.

Ivancsics, der zum "Freundeskreis" der SPÖ-Stiftungsräte zählt, reagierte in einer Aussendung des Landesmedienservices Burgenland auf die zahlreichen Wortmeldungen aus den ORF-Redaktionen – ohne dabei Namen zu nennen. "Allerdings sollten jene, die sich im Stil manchmal durchaus auch grenzwertig bewegen, diese Kritik annehmen und sich damit ernsthaft auseinandersetzen, ohne dabei sofort einen Anschlag auf die Unabhängigkeit der Redaktion zu vermuten."

"Die vom Stv. Technikdirektor Thomas Prantner im 'profil' geäußerte Meinung, womit er klare Worte in dieser Diskussion gefunden hat, seien ein gutes und positives Beispiel dafür", betonte der Stiftungsrat. Manche Reaktionen darauf könnten die Vermutung zulassen, dass einige zu sehr die eigene Rolle, aber nicht den Auftrag und die Aufgabe des Mediums selbst als Priorität sehen. Es gebe Regeln und Anstand, ohne die kein Mitarbeiter des ORF ans Werk gehen dürfe, so Ivancsics. Das gelte insbesondere auch für jene, die selbst kritisieren, aber Kritik an der eigenen Arbeit als ungeheuerlich abqualifizieren und das Recht dazu sogar Führungskräften des eigenen Unternehmens absprechen wollen.

Strukturreform solle rasch umgesetzt werden

Ivancsics forderte, die neue Struktur für die ORF-Information mit den geplanten Channel Managern umzusetzen. "Ich erwarte mir, dass bis zur nächsten Sitzung des Stiftungsrates die Strukturfragen des ORF nicht nur feststehen, sondern auch durch personelle Besetzungen vorbereitet und letztendlich auch ins Laufen gebracht werden." Die von Generaldirektor Alexander Wrabetz vorgelegte Strukturreform habe die Zustimmung des Aufsichtsgremiums und sollte daher konsequent umgesetzt werden. Dass es bei solchen Entscheidungen – wie das im Fußball auch beim Teamchef der Fall ist – nun österreichweit eine ganze Menge an Personalchefs gibt, wäre ja an sich nichts Neues. Die Verantwortung jedoch liege bei den zuständigen Managern und Gremien.

ORF-Zentralbetriebsratschef Moser betonte unterdessen gegenüber der APA, sich in der Causa nicht öffentlich geäußert zu haben. "Wie mein Schreiben den Weg an die Öffentlichkeit gefunden hat, ist für mich nicht nachvollziehbar. Mir ging es, wenn man das Schreiben genauer liest, just darum, die Debatte, wenn sie schon stattfinden muss, intern und nicht in aller Öffentlichkeit zu führen".

Scharfe Kritik übte Moser an ÖVP-Mediensprecher Amon. Er sei erschauert, "weil hier jemand in einer verantwortungsvollen Position zu einem Generalangriff gegen Arbeitnehmerrechte bläst, nur um daraus parteipolitischen Nutzen zu ziehen." Das sei Neoliberalismus pur. Moser sagte darüber hinaus, er sei froh in einem Land zu leben, in dem es einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk und ein Arbeitsverfassungsrecht gebe. "Auch wenn das gewissen Zeitgenossen offenbar lästig ist."

In dem zuletzt öffentlich ausgetragenen Machtkampf geht es um Channel Manager, die für alle ORF-Kanäle etabliert werden sollen – und um die Rolle und den Interviewstil von ZiB2-Anchorman Armin Wolf, der gegen die Channel-Manager-Struktur ist. Wrabetz stellte sich puncto Rolle und Interviewstil hinter Wolf, erinnerte ihn aber an seinen Platz in der Hierarchie des Senders. Losgetreten hat die jüngste Debatte Pranter mit einem "profil"-Interview. Darin sagte er: "Es ist unzumutbar für einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, wenn das TV-Studio wie ein Verhörraum oder eine Anklagebank wirkt." (APA, 27.4.2017)

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