, Steffen Arora

Naturschutzbehörde zwingt Tweed Run 2017 in Graz zu Absage

Die Vintage-Fahrradveranstaltung wird nicht stattfinden. Die Organisatoren verstehen die Ablehnung nicht

Seit 2015 findet in Graz ein jährlicher Tweed Run statt. Heuer hat die Behörde ihr Veto eingelegt.

foto: clemens humeniuk / ch photography

Das Abschlusspicknick im Stadtpark wurde von der Behörde untersagt.

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Neben der Vintage-Kleidung sind es die schönen alten Fahrräder, die Tweed Runs auszeichnen.

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London ist die Geburtsstadt der Tweed Runs. Von hier aus trat das Format 2009 seinen weltweiten Siegeszug an.

foto: reuters / suzanne plunkett

Innsbruck/Graz – Sie tragen historische britische Kostüme und fahren liebevoll gepflegte Fahrräder. Es ist der Glanz vergangener Radfahrerzeiten, den die Tweed Runs wiederaufleben lassen. Doch am kommenden Sonntag werden in Graz keine der typischen "Tally ho!"-Rufe zu hören sein, keine fesch gekleideten Radler werden sich im Stadtpark tummeln. Denn das scheint mit dem Umweltschutz in der steirischen Landeshauptstadt nicht vereinbar zu sein.

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"Es bricht uns das Herz, aber es ist nicht mehr zu ändern." Thomas Possod und Michael Siebenhofer, die den Grazer Tweed Run 2015 ins Leben gerufen haben, sind enttäuscht. Die für kommenden Sonntag geplante dritte Auflage der Vintage-Fahrradveranstaltung muss abgesagt werden, weil die Naturschutzbehörde des Grazer Bauamts keine Genehmigung erteilt. Gemäß offizieller Begründung stößt sich die Behörde daran, dass die rund 100 Teilnehmer auf einer Wiese im Grazer Stadtpark picknicken. Eine Wiese, die zwar Landschaftsschutzgebiet ist, aber gemeinhin zu Erholungs- und Freizeitzwecken wie etwa Picknicks genutzt wird. Das Picknicken auf der Grünfläche von ein paar Dutzend aufgebrezelten Radlern widerspreche jedoch einer "ortsüblichen und zeitgemäßen Nutzung", heißt es im Bescheid. Das Amt stoße sich dem Vernehmen nach daran, dass der Tweed Run eine Veranstaltung ist, sagt Siebenhofer. Warum das nach zwei Jahren plötzlich ein Problem ist, wissen die beiden Organisatoren nicht: "Eigenartig, dass ausgerechnet die Stadt, die kein Problem damit hat, tausende Bäume für ein Kraftwerksprojekt zu fällen, nun die Mutter Teresa des Umweltschutzes ist."

Eine sehr britische Idee

Unter einem Tweed Run versteht man eine gemeinsame Gruppenradtour im städtischen Raum, bei der die Teilnehmer traditionelle britische Fahrradkleidung, speziell Gewandung aus der Hochblüte des Tweeds tragen. Viele fahren zudem auf historischen oder klassischen Rädern, wobei es keinerlei Reglement hinsichtlich der Bikes gibt. Das Motto lautet: "A metropolitan cycle ride with a bit of style." Die Tweed Runs entstanden in der Fixie- und Singlespeedszene Londons. Die erste derartige Veranstaltung fand am 24. Jänner 2009 ebendort statt. Die Idee war ein voller Erfolg, heute zählen Tweed Runs oder Rides zu Fixterminen der urbanen Bikeszenen weltweit.

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In Graz haben Possod und Siebenhofer vor zwei Jahren den ersten Tweed Run organisiert. "Es gab bisher nie Probleme", sagt Possod. Man habe sich immer sehr präzise an sämtliche Auflagen der Stadt gehalten. Und die waren schon bisher recht strikt. So mussten die letzten 100 Meter der Rundfahrt, die zum Abschluss in den Stadtpark führte, wo man gemeinsam ein Picknick veranstaltete, geschoben werden. Die "Aufbauten" – zwei Biertische – durften nicht auf der Wiese, sondern nur auf dem Asphaltweg stehen. "Und wir haben sogar vor der Veranstaltung jeglichen Müll auf der Wiese gesammelt. Danach war nie auch nur ein Papierl zu sehen", berichtet Possod von den Bemühungen, die Auflagen tunlichst einzuhalten.

Ausweichfläche auf Asphalt angeboten

Die Naturschutzbehörde bot den Veranstaltern an, mit ihrem Picknick heuer auf den nahegelegenen Verkehrsübungsplatz auszuweichen. Doch der ist zur Gänze asphaltiert und daher nicht geeignet: "Das würde nicht zur Atmosphäre der Veranstaltung passen." Die Organisatoren verstehen nicht, warum man ihnen nach zwei Jahren ohne Probleme und Beschwerden keine Genehmigung mehr erteilt hat. In ein Lokal will man nicht ausweichen, weil das dem nichtkommerziellen Charakter des Tweed Runs widersprechen würde: "Wir wollen kein Wirtschaftsfaktor sein."

Nach der kurzfristigen Absage ist die Enttäuschung groß, wie Possod sagt: "Wir wissen nicht, was wir falsch gemacht haben." Nachdem die Veranstaltung nicht auf Gewinn ausgerichtet ist und von zwei Leuten gestemmt wird, ist es nicht möglich, auf die Schnelle eine alternative Örtlichkeit zu finden. Zwar habe es bereits einige Angebote gegeben, aber auch dort müsste man erneut um eine Genehmigung ansuchen, was in der kurzen Zeit bis Sonntag nicht möglich ist.

Den stilvollen Grazer Bikern wird daher nichts anderes übrigbleiben, als nach Wien auszuwandern. Dort findet am 21. Mai der fünfte Tweed Ride statt. (Steffen Arora, 2.5.2017)

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