Foto: Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

"Das Rheingold": Goldgier am Baumarkt

2. Mai 2017, 16:28

Vorabend zum "Ring des Nibelungen" an der Staatsoper: "Das Rheingold" glänzte unter der Leitung von Peter Schneider dank großartiger Sänger

Wien – Alles Leben kommt aus dem Wasser, und auch Richard Wagners epischer Antikapitalismuskracher Der Ring des Nibelungen beginnt (und endet) mit und in dieser Quelle des Lebens. Die Wasserspiele zum Rheingold-Beginn erinnerten dank der Präsenz des Blechs eher an ein güldenes Alpenglühen; in weiterer, zweieinhalbstündiger Folge gelangen dem Staatsopernorchester unter der Leitung von Peter Schneider kurze, mächtige Kulminationen.

Dazwischen klang vieles platt und uninspiriert, die chromatischen Hetzjagden der Streicher etwa waren unpräzise und schludrig. Differenzierte, sinnliche, überwältigende Musik wäre in dieser Rheingold-Produktion dringend vonnöten gewesen, denn die Inszenierung von Sven-Eric Bechtolf bietet all diese Qualitäten nicht. Die Bühne von Rolf Glittenberg ist nicht auf das Wesentliche reduziert, sondern auf gar nichts; zudem ist jeder Baumarkt stimmungsvoller ausgeleuchtet.

Glück auf der Bühne

Zum Glück ereignete sich auf der Bühne Beglückendes. Mihoko Fujimura war zwar stimmlich eine unausgewogene Fricka, das Frustrierte und Herrische der Göttergattin stellte sie aber ganz wundervoll dar: Indigniert die Augenbrauen hochziehen, das kann sie. Dennoch oder gerade deswegen: Fricka und Schwesterherz Freia (Caroline Wenborne), das war hier eher Comedy.

Ganz große Klasse bot hingegen Norbert Ernst, der den Loge nicht nur herrlich umtriebig, grenzirr, aalglatt und schillernd spielte, sondern auch betörend schön und nuanciert sang. Weltklasse auch Wolfgang Ablinger-Sperrhackes buckelnder Mime: scharfkantig, dringlich, unverwechselbar. Fast eine Verschwendung war Jochen Schmeckenbecher als Alberich: Er musste mit seinem weichen Bariton oft in die Vollen gehen und konnte die Trümpfe seiner einzigartigen Wortdeutlichkeit und seiner Klangschönheit zu selten ausspielen.

Bewährte Kräfte im Kugelkostüm: Ain Anger und Sorin Coliban als Fasolt und Fafner. Harmonisch die Rheintöchter, etwas unfrei Thomas Ebensteins kurzfristiges Rollendebüt als Froh. Solide das Hausdebüt von Okka von der Damerau (als Erda), final druckvoll Markus Eiche als Donner. Egils Silins war als Wotan eine noble, kraftvolle Autorität, eine Nummer schlanker natürlich als Bryn Terfel, der beide Ring-Serien krankheitsbedingt absagen musste. Begeisterung. (Stefan Ender, 2.5.2017)

Wiener Staatsoper, wieder am 20.5.