Foto: Christian Fischer

Fachschaftslisten: Würstel, Wünsche, Wahlversprechen

Video |
9. Mai 2017, 09:00

Die parteiunabhängigen Fachschaftslisten fordern im ÖH-Wahlkampf einen freien Hochschulzugang

Wien – Auf derselben Ebene des Allgemeinen Krankenhauses der Stadt Wien, in dem sich Patienten in den Stationen für Gastroenterologie, Rheumatologie und Dialyse drängen, wird um Stimmen von Studierenden für die Wahl zur Hochschülerschaft (ÖH) von 16. bis 18. Mai gekämpft. Für die diesjährige Spitzenkandidatin der Fachschaftslisten Österreich (Flö), Johanna Zechmeister, ist es ein Heimspiel: Die 26-Jährige befindet sich am Ende des Humanmedizinstudiums.

derstandard.at

Ihre Erfahrungen an diesem Ort, nämlich während des Studienalltags an der Medizinischen Universität Wien, waren es auch, die Zechmeister dazu veranlassten, sich in der Hochschulpolitik zu engagieren. "Die ewige Auswendiglernerei von Multiple-Choice-Fragen hat mich genervt." Zunächst ist Zechmeister in der ÖH Med Wien aktiv geworden, deren Vorsitzende sie seit 2015 ist. Doch auch auf Bundesebene hat sie bereits Erfahrungen gesammelt: Seit 2016 ist sie Bundes-Pressesprecherin. Nun will die gebürtige Oberösterreicherin ins Vorsitzteam der ÖH-Bundesvertretung.

Verbesserungspotenzial

Obwohl ihre Fraktion auch in der jetzigen Koalition vertreten ist, sieht Zechmeister die Arbeit der ÖH in den vergangenen beiden Jahren ambivalent: "Beratung und Service funktionieren gut, aber die Öffentlichkeitsarbeit muss verbessert werden, um zu zeigen, welche Erfolge geleistet worden sind."

foto: christian fischer

Was ihr und ihren Mitstreitern am Wahlkampfstand besonders wichtig ist zu betonen, ist die Unabhängigkeit der Fachschaftslisten: "Wir sind die einzige parteiunabhängige Fraktion, die die ÖH-Arbeit ernst nimmt und sich für die Interessen der Studierenden einsetzt", lässt Zechmeister Wahlberechtigte gerne wissen – während ihr Team im Hintergrund Würstel im Schlafrock ausgibt. Alles selbstgemacht, versteht sich. Ohne Bundespartei im Rücken müssen die Flö ihren Wahlkampf mit einem Budget von maximal 1.000 Euro bestreiten. Zum Vergleich: Dem Sozialistischen Studierendenverband stehen 64.000 Euro für den Stimmenfang zur Verfügung. "Uns geht es um die Inhalte, nicht um Wahlgeschenke", zeigt sich Zechmeister kämpferisch.

Mögliche Koalitionspartner

Mit 12,7 Prozent der Stimmen lagen die Flö bei der Wahl 2015 hinter Aktionsgemeinschaft, Grünen und Alternativen Studierenden und dem Sozialistischen Studierendenverband auf dem vierten Platz. Für eine künftige Koalition hält sich Zechmeister sowohl eine Neuauflage des linken Bündnisses wie auch eine Zusammenarbeit mit anderen Fraktionen offen.

foto: christian fischer

Als wichtigste Inhalte für Koalitionsverhandlungen nennt Zechmeister einen freien Hochschulzugang, mehr Qualität im Studium sowie einen leistbaren Studienalltag inklusive günstigem Mensaessen und dem oft versprochenen Gratis-Öffi-Ticket für Studierende. Warum sie all das fordert, wohl wissend, dass die ÖH nichts davon alleine umsetzen kann? Zechmeister: "Beratung und Service laufen ohnehin. Zu sagen, wir wollen das fortsetzen, klingt aber nicht so spannend, wie wenn man sagt, wir fordern etwas Neues. Viele Wünsche gehen nicht von heute auf morgen in Erfüllung. Trotzdem ist es wichtig, sie zu fordern, damit etwas passiert." (Tanja Traxler, 9.5.2017)