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Kein Hochhaus-Ensemble am Handelskai

9. Mai 2017, 09:00

Bei der Millennium City könnten zwei Wohntürme entstehen. Die Stadt verlangt aber, dass der gewerbliche Bauträger einen gemeinnützigen Partner ins Boot holt

Wien – Südlich der Millennium City im 20. Bezirk befindet sich seit einigen Wochen ein großer Parkplatz. Bis 2015 hatte hier der Ofenrohrhersteller Bertrams seine Produktion, die mittlerweile ins Burgenland abwandert ist. Im Vorjahr wurde ein Bestandsobjekt abgerissen.

Nun könnte hier an der Ecke Handelskai/Donaueschingenstraße längst schon wieder gebaut werden. Der Bauträger Premium AG hatte das rund 7700 Quadratmeter große Grundstück erworben und plante zunächst ein Projekt mit bis zu 500 Wohnungen und Geschäftsflächen im Erdgeschoß. In der vorhandenen Widmung – gemischte Nutzung, Bauklassen IV und V, kein Wohnungsverbot – hätten rund 42.000 Quadratmeter Bruttogeschoßfläche sofort umgesetzt werden können.

"Amtliche" Hochhaus-Kernzone

Nach der Beschlussfassung des "Fachkonzeptes Hochhäuser" im Rahmen des Stadtentwicklungsplans 2025 im Dezember 2014 "wurde für uns aber quasi 'amtlich', dass das Grundstück in einer ausgewiesenen Hochhaus-Kernzone situiert ist", sagt Günter Hofmann, Geschäftsführer der Premium AG, dem STANDARD. Ein städtebauliches Leitbild zur Hochhausentwicklung wurde erstellt, in dem die "ausgezeichnete verkehrliche Anbindung" sowie die Nachbarschaft zum "etabliertem Stadtteilzentrum" Millennium City betont wurden.

Hofmann sah sich "darin bestätigt, eine Widmungsänderung in Richtung Hochhausbebauung zu beantragen" – womit bis zu 100.000 Quadratmeter Bruttogeschoßfläche winkten. Renommierte Architekturbüros wurden mit Entwurfskizzen beauftragt.

Zwei unterschiedlich hohe Türme, der höhere mit 145 Metern, sollten eine "spannungsreiche Höhenstaffelung" zum insgesamt 202 beziehungsweise (bis zum Dach) 171 Meter hohen Millennium Tower gewährleisten. Im Herbst wurde mit den Vorbereitungen für einen Realisierungswettbewerb begonnen, im Jänner folgten Info-Veranstaltungen für Anrainer.

Gemeinnütziger Partner verlangt

Nun aber steht das Projekt vor dem Aus. Nachdem im Leitbild nämlich nur vage von "überwiegend sozial gebundenen" Wohnungen die Rede war, hieß es vonseiten der Stadt plötzlich, dass die bis zu 1000 Wohnungen "mehrheitlich" gefördert und von einem gemeinnützigen Bauträger errichtet werden sollten.

Nur dann seien die Wohnungen "dauerhaft an eine Mietpreisobergrenze gebunden", verteidigt Grünen-Gemeinderat Christoph Chorherr, einer der Chefverhandler in Sachen städtebaulicher Verträge mit Investoren, diese Ansicht im STANDARD-Gespräch.

"Leitbild ist Geschichte"

Bei der Premium AG ist man nun konsterniert – auch über die verlorenen zwei Jahre an Planungszeit. Von "Hochhaus" will man zumindest derzeit nicht mehr reden, dennoch weiterhin Gesprächsbereitschaft signalisieren. "Die Gespräche mit der Stadt waren immer konstruktiv, wir hoffen nach wie vor auf eine Einigung", sagt Hofmann.

Für Bezirksvorsteher Hannes Derfler (SPÖ) ist aber klar, dass das bestehende Leitbild "Geschichte" ist, wie er sagt. "Die Premium will so nicht bauen, Punkt." Dass ein Bauträger auch "etwas verdienen" wolle, sei ihm klar. Als Politiker müsse er aber auch auf einen "Mehrwert" durch höhere Widmung achten: Ein solcher wäre etwa ein Übergang über den Handelskai zum rechten Donauufer gewesen, den die Premium AG auch bereit gewesen wäre zu schaffen. Aber eben auch Sozialwohnungen.

Kein Kompromiss

Auch Chorherr hält fest, dass es bedauerlich sei, dass man sich nicht einigen konnte. Aus seiner Sicht wäre "ein freifinanzierter Turm und einer mit langfristig gebundenen Mieten" für die höhere Widmung gerechtfertigt gewesen. "Wir haben viele Gespräche geführt", ein Kompromiss sei letztlich nicht möglich gewesen. Und so werden sich die Anrainer noch länger über den großen Parkplatz freuen können. "Für die ist das derzeit eine sehr angenehme Situation", sagt Bezirksvorsteher Derfler. (Martin Putschögl, 9.5.2017)