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Was Einzelhandelskaufleute verdienen

11. Mai 2017, 12:02

Eine flache Gehaltskurve, auch nach vielen Berufsjahren: Ohne zusätzliche Verantwortung kommen nur wenige im Einzelhandel über 30.000 Euro brutto pro Jahr

Einzelhandelskaufleute sind in Fachgeschäften im Einzelhandel, in Filialen großer Einkaufsketten und in Kaufhäusern beschäftigt. Ihr Tätigkeitsbereich umfasst nicht nur den Verkauf von Waren aller Art, sondern erstreckt sich über die Beratung der Kunden und das Führen von Verkaufsgesprächen, der Betreuung des Kassabereichs bis hin zu den damit verbundenen kaufmännisch-administrativen Tätigkeiten.

Verschiedenste Schwerpunkte

Mitarbeiter werden so gut wie immer gesucht. Häufig wird in Stelleninseraten mit der Perspektive von anschließenden Karriereschritten im Unternehmen geworben, die nach der dualen Ausbildung im dreijährigen Lehrbetrieb und der Berufsschule erfolgen können.

Apropos Ausbildung: Da gibt es verschiedene Schwerpunktbereiche, wie etwa für Baustoffhandel, Einrichtungsberatung, Elektroberatung, Gartencenter, Kraftfahrzeuge und Ersatzteile, Parfümerie, Schuhe, Sportartikel, Telekommunikation, Textilhandel sowie Uhren- und Juwelen. Auch besteht mit der Berufsreifeprüfung die Möglichkeit, Zugang zu Universitäten und Fachhochschulen zu erlangen, um sich fachlich weiterzuentwickeln und für weitere Karriereschritte zu qualifizieren.

Umbruch durch Digitalisierung

Wie kaum eine andere Branche befindet sich der Einzelhandel im Umbruch: "Handel im Wandel" heißt es oft. Mit zunehmenden Maße gewinnt die Digitalisierung an Bedeutung, und kleinere Händler spüren die Konkurrenz der Online-Händler besonders. Wer jetzt nicht digitalisiert, überlässt den Markt den anderen.

Die Digitalisierung wirkt sich auch auf die Berufschancen von Fachkräften im Einzelhandel aus und stellt sie vor neue Herausforderungen. Der stationäre Handel hat dann die besten Überlebenschancen, wenn die persönliche Betreuung und fachkundige Beratung von Produkten vor Ort durch die qualifizierten Mitarbeiter die Unterschiede von Kosten- und Preisstruktur zum Online-Handel wettmachen.

Rund 70 Prozent der Lehrlinge im Einzelhandel sind Frauen, wobei Männer im Handel von technischen Produkten überwiegen, wie etwa im Kfz-Handel. Etwa die Hälfte der Mitarbeiter arbeitet Teilzeit – mit allen Vor- und Nachteilen.

Flache Gehaltskurve

Die meisten Handelsunternehmen orientieren sich beim Gehalt am Kollektivvertrag. Das durchschnittliche Gehalt in den ersten fünf Berufsjahren nach der Lehrausbildung liegt bei durchschnittlich 22.100 Euro brutto pro Jahr. Auch in den weiteren Berufsjahren verläuft die Einkommenskurve sehr flach. Ohne die Übernahme von zusätzlicher Verantwortung, etwa als Abteilungs- oder Filialleiter, verdienen wenige Mitarbeiter über 30.000 Euro brutto pro Jahr. (Conrad Pramböck, 11.5.2017)

Zur Person:

Conrad Pramböck ist Experte zu Gehalts- und Karrierethemen. Der CEO von Upstyle Consulting berät Unternehmen und Privatpersonen weltweit in Gehaltsfragen.

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