Twin Peaks

Prie-View: "Twin Peaks" und was Sie diese Woche noch sehen sollten

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18. Mai 2017, 11:05

Mit wärmsten Empfehlungen: "Wer tötete Schwester Cathy", "The Wizard of Lies", "Twin Peaks", "Schnell ermittelt", "Sewol – Die gelbe Zeit", "This Is Us", "Doppelzimmer" und Trailer der Woche

Wien – Der Wille zur kommerziellen Wiederverwertung macht auch vor Musicals nicht halt. Nach Neuauflagen von "Hairspray" und "Rocky Horror Picture Show" verspricht der US-Sender NBC die Wiederaufnahme von "Jesus Christ Superstar" – live und im Frühjahr 2018. Die nächsten 200 Ostern sind gerettet!

Ich geb's zu: Das Musical von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice lag als LP bei mir daheim oft und gerne am Plattenspieler, wer's nicht kennt: "I Don't Know How to Love Him", himmelte Yvonne Elliman als schmachtende Maria Magdalena ihren Hippie-Jesus in Gestalt von Ted Neeley an, ja, das waren noch Zeiten.

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Doch nun zur Kernaufgabe – Höhepunkte ab Freitag:

Freitag, 19. Mai: Wer tötete Schwester Cathy?, Netflix
Mehr als 30 Jahre arbeitete Tom Nugget als freiberuflicher Journalist, unterwegs, um Geschichten aufzustellen. Wenn er mit einer Story fertig war, trug er das Recherchematerial auf den Dachboden und legte es in Schachteln ab. Am Beginn von "The Keepers" zieht er aus den Papierbergen jene "Monsterstory" hervor, um die es in den nächsten sieben Folgen geht. 1994 griff Nugget den 25 Jahre alten Fall um die Highschool-Lehrerin Schwester Cathy auf, die offenbar drauf und dran war, mit einem Bericht vom sexuellen Missbrauch eines Kaplans der Schule an die Öffentlichkeit zu gehen. Cathy Cesnik verschwand wie zuvor ihre Kollegin Joyce Malecki auf dem Nachhauseweg, beide wurden ermordet. Ehemalige Schülerinnen haben es sich zur Lebensaufgabe gemacht, Mord und Hintergrund an Cathy und Joyce aufzudecken. Netflix macht daraus eine True Crime-Story, ähnlich jener von "Making a Murderer". Die Geschichte ist aber nicht in dem Ausmaß fesselnd, was zum Teil auch an der nervigen Synthiedauerbeschallung liegt. Ich wünschte, sie würden diese eher hilflos wirkenden Versuche, künstliches Drama herzustellen, unterlassen.

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Samstag, 20. Mai: The Wizard of Lies, HBO
Bernie Madoff schaut auf Stacheldraht. Das wäre an sich noch nichts Besonderes, würde es sich in dem HBO-Film nicht um Robert De Niro handeln, der den Makler und Kapitalverbrecher verkörpert und sich und uns damit mit einer weiteren großen Charakterrolle beschenkt. Die Story ist so bekannt wie unglaublich.

Die "New York-Times"-Journalistin Diana B. Henriques hat für ihre Zeitung den Skandal aufgedeckt. Im August 2010 interviewte sie jenen Mann, der mit Immobilienspekulationen mehr als drei Millionen Menschen um insgesamt rund 65 Milliarden Dollar betrogen hat und Initialzünder der globalen Finanzkrise 2008 war. Erstaunlich an dem Film ist nicht nur seine Qualität, sondern auch die Tatsache, dass dergleichen noch vor ein paar Jahren Stoff fürs Kino gewesen wäre und nicht für den "kleinen" Bildschirm. Robert De Niro spielt den Makler mit gebotener Kaltschnäuzigkeit, dessen eisige Gier einen noch heute schaudern lässt. Wir sehen Momente, in denen manch einer schon damals gerne Mäuschen gewesen wäre. Etwa als Madoff seiner Familie das ganze Ausmaß des Desasters gesteht, dabei anfangs stottert und herumdruckst, was die Söhne erst gesundheitliche Probleme befürchten lässt, bis sie verstehen und Madoffs Gattin Ruth die entscheidende Frage stellt: "Was ist ein Ponzi-Schema?" Hervorragend: Michelle Pfeiffer. Das Drehbuch schrieben Sam Levinson, Samuel Baum und John Burnham Schwartz. Barry Levinson, der Regisseur von "Rain Man" und "Wag the Dog" inszenierte. Aus einem Guss. US-Premiere, ab Herbst auf Sky.

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Sonntag, 21. Mai: Twin Peaks – Die Fortsetzung, abrufbar auf Sky Ticket und Sky Go
Nach Ansicht mehrerer Folgen der ersten Staffel von vor 26 Jahren fürchte ich mich ein bisschen. Kann das gutgehen? Kann es gelingen, diesem dermaßen kompletten, bis ins kleinste Detail aufmerksam komponiertem Gesamtkunstwerk etwas hinzuzufügen, das nicht wie schnöder Retrokommerz wirkt? Wie sagte schon der ehrwürdige Riese? "Wer einen Weg sich pflastern will, der lege immer nur einen Stein auf einmal." Freuen wird man sich ja noch dürfen, mehr war bis zum Zeitpunkt der Blog-Veröffentlichung nicht drinnen. Showtime sitzt auf den ersten Folgen wie die Bruthenne, für Prie-View gab's kein Preview.

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Montag, 22. Mai: Schnell ermittelt, letzte Folge, 20.15 Uhr, ORF 1
In der letzten Folge geht es um Alan Richter, der illegale Autorennen fuhr, deshalb im Gefängnis saß und jetzt überfahren wurde. Der Schluss ist ein Schock, so viel darf ich verraten, und die Frau Chefinspektor muss einmal mehr lernen, dass das Leben manchmal zum Speiben ist. Ursula Strauss verriet im Interview, dass das Ende von "Schnell ermittelt" nicht ohne ist, was mit dem Schnell'schen Nachwuchs zu tun hat. Insgesamt kann man aber auch so sagen, dass diese abgelaufene Staffel mehrere Höhepunkte lieferte und als eine der besten durchgehen kann. Der schlangenhafte Grant der Schnell ist durch nichts zu überbieten, Katharina Straßer hat ihren Platz als robuste Polizeifrau gefunden. Weitermachen.

foto: orf/mr film/petro domenigg

Dienstag, 23. Mai: Sewol – Die gelbe Zeit, BR
Am 16. April 2014 sank die südkoreanische Fähre Sewol im Gelben Meer. 304 Menschen starben oder werden seither vermisst. Die meisten von ihnen waren Schulkinder. Der Film von Minsu Park beginnt im April 2015 im südkoreanischen Parlament. "Wir wissen immer noch nicht, woran sie sterben mussten", klagt eine Mutter. Statt der Evakuierung ordnete der Kapitän an, dass die Kinder in ihren Kabinen bleiben sollten. Er selbst ging von Bord. Die eingesperrten Kinder schlugen an die Scheiben und wurden ignoriert. Niemand half. Es geht um die Trauer der Hinterbliebenen, um deren Verzweiflung über die Vertuschung und darum, wie sich Schule und Behörden ihrer Verantwortung entziehen.

foto: br

Mittwoch, 24. Mai: This Is Us, 21.15 Uhr, Pro Sieben
Am Anfang steht die Nachricht: Laut Wikipedia teilt sich der Mensch seinen Geburtstag im Durchschnitt mit über 18 Millionen anderen Menschen. Das ist zunächst schon einmal eine interessante Tatsache. Ihren 36. Geburtstag feiern die hochschwangere Rebecca, die schwer übergewichtige Kate, ihr Zwillingsbruder Kevin und Randall, der seinen richtigen Vater sucht. Die vier Geburtstagskinder sind über Generationen miteinander verbunden. Die ABC-Serie von Dan Fogelman mit Milo Ventimiglia und Mandy Moore gehört zu den Überraschungshits des Jahres 2016 und wartet mit virtuos ineinander verschlungenen Familien- und Beziehungsgeschichten auf, bei denen man mit Zuschauen nicht mehr aufhören kann. "Wo zur Hölle ist die Zeit hin?", fragt Kate. Man möchte ihr mit George Orwell antworten: "Die Zeit vergeht nicht schneller als früher, aber wir laufen eiliger an ihr vorbei." 18 Folgen.

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Donnerstag, 25. Mai: "Doppelzimmer", 13 Uhr, FM4
Feiertag, wir hören Radio. Elisabeth Scharang bespielt auch an Christi Himmelfahrt die Mittagszeit. Für diese Ausgabe traf die Radio- und Filmemacherin die Profiboxerin Nicole Wiesner im Boxsportzentrum. Die Sportlerin hat mit 34 Jahren ihren Job an den Nagel gehängt, um Profiboxerin zu werden. Wiesner erzählt über ihren Werdegang, was sie motiviert, wie sie mit dem Verletzungsrisiko in ihrer Disziplin umgeht und wie sich das Boxbusiness für Frauen entwickelt.

Trailer der Woche: Hundert Jahre nach Asterix und Obelix bescherten die Kelten den römischen Invasoren einen ebenso unfreundlichen und widerständigen Empfang, zu sehen in "Britannia". Das monumentale Serienepos von Sky und Amazon Prime soll noch heuer starten. Das Drehbuch schrieb Jez Butterworth ("James Bond 007: Spectre").

general aulus plautius

Es spielen Kelly Reilly ("True Detective"), Zoë Wanamaker ("My Family"), David Morrissey ("The Walking Dead") und Stanley Weber ("Borgia"). Den Vergleich mit "Game of Thrones" werden sich alle Beteiligten gefallen lassen, oder, wie der Lateiner sagt: Gloria victis! In diesem Sinne: anregende Woche, frohes Schauen! (Doris Priesching, 18.5.2017)

Hinweis: Der Blog Prie-view greift kommende Höhepunkte in linearem und digitalem Fernsehen mit dem Fokus auf Premieren und Erstausstrahlungen auf. Die Auswahl ist subjektiv und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.