Die schwarze Liste soll bunt werden

15. Mai 2017, 20:52

Sebastian Kurz und sein Team sind auf der Suche nach Verstärkung für die Liste der neuen Volkspartei. Zahlreiche Persönlichkeiten wurden gefragt, wirklich deklarieren will sich noch keiner.

Der Salzburger Neos-Abgeordnete Sepp Schellhorn bestätigte Gespräche mit Sebastian Kurz, erst hieß es, es sei noch offen, ob er sich bei Kurz engagieren will, dann ließ Schellhorn klarstellen, dass er nicht auf einer Liste für Kurz kandidieren werde. Gefragt wurde er, ihm sei auch der Posten als Wirtschaftsminister angeboten worden, sagte Schellhorn.

Die Neos würde ein Abgang von Schellhorn, der einer ihrer prominentesten Abgeordneten und in Wirtschaftskreisen sehr anerkannt ist, ins Mark treffen. Allerdings wurde angekündigt, dass Schellhorn die Salzburger Liste für die Landtagswahl im nächsten Jahr anführen soll – für die Neos.

Auch etliche andere Funktionäre der Neos wurden in den vergangenen Tagen gezielt von Kurz und seinem Team angefragt, noch gibt es aufseiten der Neos keine prominenten Abgänge. Parteichef Matthias Strolz geht davon aus, sein Team weitgehend halten zu können, einzelne Wechsel seien allerdings nicht auszuschließen.

Domain gesichert

Als kleine Spitze gegen Kurz haben sie ihm dafür beim Online-Auftritt einen Strich durch die Rechnung gemacht: Bereits im März wurde die Domain "liste-kurz.at" gesichert. Angemeldet hat die Homepage Douglas Hoyos, Chef der Junos, der Jugendorganisation der Neos.

Kurz hat jedenfalls vor, mit einer Bewegung in die Wahl zu gehen, das bedingt, dass neben der Stammmannschaft der ÖVP auch andere Namen auf der Liste zu finden sind. Der neue Obmann will die ÖVP schließlich öffnen.

Irmgard Griss, die ehemalige Höchstrichterin und Präsidentschaftskandidatin, ist eine der Personen, die immer wieder genannt wird. Auf Anfrage des Standard wollte Griss ein Engagement bei Kurz weder bestätigen noch dementieren. Derzeit sage sie nichts zu ihren politischen Plänen. Gemeinsam mit Neos-Chef Matthias Strolz wird sie vorläufig weiterhin durch das Land touren und Bürgerforen bestreiten, so wie auch Montagabend in Baden. Dort gehe es darum, mit interessierten Menschen politische Themen zu diskutieren.

Auf der Wunschliste

Auch der ehemalige Rechnungshofpräsident Josef Moser steht auf der Wunschliste von Kurz für seine Liste, über seinen möglichen Einstieg in die Politik ist derzeit aber nichts bekannt.

Sebastian Kurz könnte auch alsbald die oberösterreichische Landespolitik gehörig durcheinanderbringen. So soll Wirtschaftslandesrat Michael Strugl (ÖVP) einen Fixplatz auf der "Liste" haben. Offiziell hält sich der erfahrene Wahlkampfstratege aber mit Kommentaren zu einem möglichen Wechsel nach Wien zurück. Zumindest soll es, so ist aus ÖVP-Kreisen zu erfahren, aber bereits konkrete Gespräche geben – vor allem auch, was die Einbindung Strugls in die Kampagnenplanung für wahrscheinliche Wahlen im Herbst betrifft. Ebenso ist der Innviertler Nationalratsabgeordnete und ÖAAB-Bundeschef August Wöginger in den Fokus von Kurz gerückt.

Ein enger Vertrauter aus integrationspolitischen Tagen ist der ehemalige grüne Bundesrat Efgani Dönmez. Auf Standard-Nachfrage antwortet Dönmez knapp: "Ich weiß, dass ich offensichtlich im Gespräch bin." Der einstige Shootingstar der Grünen ist heute nur mehr einfaches Parteimitglied und wurde von Kurz zum Integrationsbotschafter ernannt. Bei den Grünen ist Dönmez ob seiner kantigen Ansagen längst für viele ein rotes Tuch. Und den Satz "Der wechselt sowieso zum Kurz" hörte man hinter vorgehaltener Hand in den Reihen der oberösterreichischen Grünen schon lange vor der schwarzen Neuordnung.

Die zahlreichen Tirol-Besuche scheinen sich für den Neo-VP-Obmann jedenfalls gelohnt zu haben. So hat die Adlerrunde, der Zusammenschluss von 42 namhaften Tiroler Unternehmern wie MPreis, Handl oder Empl, die Neuwahlpläne von Kurz bereits am Wochenende mit einem ganzseitigen Inserat in der Tiroler Tageszeitung gut geheißen. Sprecherin Ingeborg Freudenthaler betont, dass bereits im Vorfeld Gespräche und Treffen mit Kurz stattgefunden hätten. Die Unternehmer erwarten sich von ihm "berechenbare Rahmenbedingungen und eine Entbürokratisierung". Dafür sei man auch bereit, finanzielle Unterstützung zu bieten: "Denkbar ist alles."

Zudem kursieren in Tirol Gerüchte, der Präsident der Industriellenvereinigung (IV), Christoph Swarovski, habe von Kurz ein Angebot zur Mitarbeit erhalten. Swarovksi, der auch geschäftsführender Gesellschafter der Tyrolit ist, gilt als Unterstützer von Kurz und sagt in einem offiziellen Statement: "Der Minister zählt unbestritten zu jenen Politikern, die unser Land weiterbringen. Er spricht die für Österreich wichtigen Themen mit der erforderlichen Offenheit und Geradlinigkeit an." Zuletzt trafen sich Kurz und Swarovksi am 5. Mai im Rahmen einer Veranstaltung in Innsbruck. Seitens der Industriellenvereinigung wird aber betont, dass ein solches Angebot nie Thema war und es keine Gespräche dazu gegeben habe.

Attraktive Kandidatin

Nicht bestätigt, aber nicht unwahrscheinlich ist, dass sich die 25-jährige Katja Wagner, die als "Waxing Lady" in die Schlagzeilen geriet, bei der ÖVP engagieren könnte. Ihr war bereits Vizekanzler Reinhold Mitterlehner zur Seite gesprungen, als die Betreiberin von mehreren Wiener Beauty-Salons mit dem Arbeitsinspektorat in Konflikt geriet. Auch zu Kurz soll die Unternehmerin gute Kontakte haben. Ihr resolutes Auftreten, ihre eloquente Argumentation und nicht zuletzt ihr Aussehen ließen die ehemalige Schönheitskönigin als attraktive Kandidatin für die ÖVP erscheinen. (ars, mro, mte, neu, völ, 15.5.2017)