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Mitterlehner & Barenboim in ORF-"Seitenblicken": Ein Dirigent ist kein Zauberer

16. Mai 2017, 13:32

Man freute sich mit dem Exparteichef, als er erzählte, dass er einen Rucksack losgeworden sei

Während ein neuer, junger Parteiobmann von der ÖVP gewählt wurde, saß sein Vorgänger, Reinhold Mitterlehner, im Konzerthaus. Das erfuhr man am Montagabend in den Seitenblicken auf ORF 2. Er lauschte dort zur Musikfest-Eröffnung den Klängen von Pierre Boulez, kein Geringerer als Daniel Barenboim dirigierte die Wiener Philharmoniker.

Man freute sich mit dem Exparteichef, als er am Rande des Konzertes erzählte, dass er einen Rucksack losgeworden sei und ihm der Applaus des Publikums bei seiner Begrüßung "mehr gegeben hat als manch andere Dinge" .

Was Führungsstärke heißt, erzählte dann Barenboim ins Mikro des ORF: "Der Dirigent muss alle Musiker dazu bringen, das Gleiche zu denken – musikalisch", sagte der Dirigent. Und man musste sich daran erinnern, dass es jetzt nicht mehr um Politik und Parteien ging, sondern um ein Orchester. Aber: "Die Musiker sind diejenigen, die den Klang machen", fügte Barenboim dann hinzu und legte einen Beweis vor. "Schauen Sie!", sagte er und fuchtelte mit den Armen, erst zackig, dann ganz sanft, wie es eben nur ein Maestro kann. Stille. Barenboim zum Reporter: "Hören Sie was? Nein."

"Und es ist sehr wichtig, dass die Dirigenten daran denken, sonst denken sie, sie sind Zauberer", schloss der argentinisch-israelische Musikstar weise. Genau, oder ihre Anhänger glauben, ihr Taktvorgeber könnte übers Wasser laufen und Kaninchen aus alten Hüten zaubern. Dabei ist er am Ende vielleicht nur ein Zauberlehrling, der gerade eine Menge Geister ruft, die er noch gar nicht alle kennengelernt hat, dachte man noch. Aber da erklang schon wieder die Musik von Pierre Boulez. (Colette M. Schmidt, 16.5.2017)

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"Seitenblicke" zum Nachsehen