Foto: APA/Pfarrhofer

Grünen-Chefin Eva Glawischnig steht vor Rücktritt

18. Mai 2017, 07:17

Bundessprecherin räumt nach knapp neun Jahren an der Spitze das Feld

Wien – Nach Reinhold Mitterlehners Abgang als ÖVP-Chef folgt der nächste Rücktritt eines Parteichefs: Die grüne Bundessprecherin Eva Glawischnig wird ihre Funktion zurücklegen, wurde dem STANDARD aus grünen Kreisen bestätigt. Die scheidende Obfrau wird heute um 10 Uhr eine Erklärung abgeben.

Nachfolgerin soll die Tiroler Parteichefin Ingrid Felipe werden. Über erste Gerüchte hatte am Mittwochabend die Österreich-Ausgabe der "Zeit" berichtet.

Glawischnig geht in einer schwierigen Phase der Grünen. Großes Thema im anlaufenden Wahlkampf ist derzeit der vermeintliche Dreikampf zwischen SPÖ, ÖVP und FPÖ um die Kanzlerschaft, da droht die mittelgroße Oppositionspartei in der Wahrnehmung unterzugehen. Dazu kommen hausgemachte Probleme. Der Konflikt um die Kandidatur einer von der Parteijugend aufgestellten Liste bei der an sich nebensächlichen Hochschülerschaftswahl eskalierte zu einem öffentlich ausgefochtenen Streit. Glawischnigs Krisenmanagment stand in der Kritik – und am Höhepunkt der Krise ereilte die 48-jährige auch noch ein durch Pollen ausgelöster allergischer Schock, den sie im Krankenhaus behandeln lassen musste.

Kritik an Glawischnigs Linie

Querschüsse gab es überdies aus den Reihen der Abgeordneten im Parlament. Kultursprecher Wolfgang Zinggl trieb die Bewegung gegen das von der Wiener Parteispitze unterstützte Hochhausprojekt am Wiener Heumarkt an, Aufdecker Peter Pilz rieb sich immer wieder an der in der Chefetage entworfenen Linie – etwa indem er einen "linken Populismus" forderte. Auch anderen Mandataren schwebt eine kantigere Politik vor, Glawischnig und ihre "Blase" galten bisweilen als wenig zugänglich für Kritik.

Bei der Nationalratswahl 2013, der einzigen, die Glawischnig als Frontfrau bestritten hat, legte die Partei um zwei Prozent auf 12,4 Prozent der Stimmen zu. Bei Landtagswahlen gab es mehrheitlich Zugewinne, derzeit regieren die Grünen in fünf Ländern (Wien, Kärnten, Salzburg, Tirol, Vorarlberg) in Koalitionen mit. (red, 18.5.2017)