Foto: Volkshilfe/Glanzl

Sorge um Journalismus: SPÖ-Fraktionschef verlässt ORF-Stiftungsrat

18. Mai 2017, 08:29

Erich Fenninger sieht "falsche Richtung": Politik- und Wirtschaftsinteressen, Newsroom infrage gestellt, Struktur zu langsam – Lederer neuer Sprecher des roten Freundeskreises

Wien – Erich Fenninger, Sprecher des SPÖ-"Freundeskreises" im ORF-Stiftungsrat, verlässt mit heutigem Tag das oberste ORF-Entscheidungsgremium. "Ich habe bei einigen Themen den Eindruck, dass sich einige Themen in eine falsche Richtung entwickeln", erklärt Vokshilfe-Chef Erich Fenninger im Gespräch mit dem STANDARD. Neuer Sprecher des roten Freundeskreises im Stiftungsrat ist Heinz Lederer. Ihn hat die Regierung gerade auf einem roten Ticket in den Stiftungsrat entsandt.

Die Funktion als Fraktionschef habe Fenninger "eh nie gewollt" und "grundsätzlich sollte es das gar nicht geben".

"Ich will verändern, bewegen, verbessern", sagt Fenninger. Er habe als Stiftungsrat im ORF "mehr beitragen können als in den vergangenen Monaten. Und wenn ich das Gefühl habe, das in einer Funktion nicht mehr so gut zu schaffen, dann ist es besser den Standort zu wechseln und mich nicht von den Zielen zu verabschieden." Fenninger ist vom ORF-Publikumsrat in den Stiftungsrat entsandt. Im Publikumsrat will Fenninger vorerst bleiben.

"Falsche Richtung"

Welche Themen entwickeln sich "in die falsche Richtung"?

  • Fenninger kritisiert, dass der multimediale Newsroom des ORF, "eine zentrale Überlegung der Modernisierung", nun infrage gestellt werde.
  • Die neue ORF-Struktur lasse zu lange auf sich warten. Fenninger äußerte nach STANDARD-Infos aus früheren Sitzungen des SPÖ-Freundeskreises intern auch Skepsis über die geplante Besetzung des Channel Managers für ORF 2 mit Exlandesdirektor Roland Brunhofer.
  • Vor allem aber zeigt sich Fenninger besorgt um den kritischen Journalismus, wie öffentlich-rechtlicher Rundfunk für ihn eine zentrale Säule der Demokratie. "Politik und Parteien, aber auch Wirtschaft formulieren ihre Interessen stärker", und das werde in den nächsten Monaten "noch stärker der Fall sein". "Das kommuniziert mit den in verschiedenen Ländern zu beobachtenden Versuchen, mehr Einfluss auf Medien zu nehmen und andererseits ihre Berichterstattung als angebliche Fake News zu denunzieren – und damit das Publikum zu den wirklichen Fake News hinüberzuziehen." Es sei ihm wichtig, dass es einen "starken, kritischen, von Parteien und Ökonomie unabhängigen Journalismus" gebe.

In seinem demokratiepolitischen Anspruch konnte er nach seinem Eindruck in seiner Aufsichtsfunktion als Stiftungsrat "in den vergangenen Monaten weniger leisten" . "Im Publikumsrat, der die Interessen des Publikums vertreten soll, kann ich meinen Beitrag in den nächsten Monaten noch leisten." Dort könne er etwa die Interessen von benachteiligten Menschen wahrnehmen.

Die Bundesregierung entsandte zuletzt Heinz Lederer, einen früheren Stiftungsratskollegen von Medienminister Thomas Drozda, auf einem roten Regierungsmandat in den Stiftungsrat. Er übernimmt, das ist nun fix, auch den Vorsitz im SPÖ-Freundeskreis. (fid, APA, 18.5.2017)