Foto: Marie-Christin Rissinger

"Das Gold am Arsch des Regenbogens": Glaube, Liebe, Herzbrösel

18. Mai 2017, 16:30

Neue Produktion von Autor Leon Engler und Regisseur Michael Schlecht im Werk X Eldorado

Wien – Wer das Ende des Regenbogens erreicht, der findet dort einen Topf voll Gold. So lautet ein irischer Mythos. Und wer selbst das kleinste Lebewesen, sagen wir eine Ameise, schlecht behandelt, der hat kein gutes Karma und eine geringere Lebenserwartung. In der neuesten Produktion von Autor Leon Engler und Regisseur Michael Schlecht – das Duo ist auch unter dem Namen Malibu Diaries bekannt – verschmelzen Sage und Philosophie in einem absurd-humorvollen Text. Das Gold am Arsch des Regenbogens ist aktuell im Werk X Eldorado zu sehen.

In diesem macht sich ein aus Lappland stammender Wiener (der frisch erblondete Robert Finster) auf, um seiner soeben verstorbenen Mutter den letzten Wunsch zu erfüllen: ihre Asche in der perfekten Wüste zu verstreuen. Er ist der letzte Überlebende seiner Familie, die sich durch Suizid oder Unfalltod selbst ausgelöscht hat.

Um den Transport zu vereinfachen, bäckt er aus der Asche einen "Mutterkuchen" und findet schließlich in einem Tannenwald inmitten einer Wüste den perfekten Ort. Dort trifft er auch auf seine beiden verstorbenen Schwestern (Nehle Breer und Magdalena Steinlein), die ihn fortan begleiten. Auch als ein Krümel des verstreuten Kuchens, der Herzbrösel seiner Mutter, von einer Ameise verspeist wird. Diese reinkarniert als Ameisenkönigin und gründet ihre eigene Familie. Ihr Führungsstil ist zwischen Monarch und Diktator angesiedelt. Das alles geschieht unter Beobachtung der Geschwister, die auf allerlei komische Weggefährten treffen.

Die Uraufführung von Englers Das Gold am Arsch des Regenbogens ist eine Suche nach Glück, eine Hinterfragung und Beobachtung von verschiedenen Religions- und Staatsformen. Dem schrägen Text, der sowohl in der Familienhistorie der Geschwister, als auch zwischen Ameisen- und Menschenwelt hin und her springt, folgt man gerne und mit Begeisterung.

Das ist vor allem dem großartigen Schauspielertrio geschuldet, das dafür genau den richtigen Rhythmus vorgibt und sichtlich selbst Spaß daran hat, Gott zu spielen. Auch ist es Finster, Breer und Steinlein zu verdanken, dass sich die absurde Gedankenwelt des Autors, der auch selbst musikalisch in Erscheinung tritt, in der Fantasie gestaltet. Ein Bühnenbild ist nämlich nicht vorhanden, die drei Schauspieler wechseln in einem kargen weißen Raum zwischen den verschiedenen Rollen (sämtliche Familienmitglieder, Ameisen, eigene Schauspieleridentität) hin und her. Ein kluger, humorvoller Abend, der mit großem Jubel belohnt wurde. (Katharina Stöger, 18.5.2017)

Werk X, 22., 23. und 24.5.