Oberösterreich verfolgt neue Energiestrategie

18. Mai 2017, 17:44

Kritiker befürchten darin eine Abkehr von der Energiewende

Linz – Oberösterreich hat eine neue Energiestrategie: Statt der bisherigen Vorgabe, Raumwärme und Strom bis 2030 gänzlich aus erneuerbaren Quellen bereitzustellen, setzt man nun auf relative – von der Wirtschaftsleistung abhängige – Ziele und Energieeffizienz. Der Landtag hat den entsprechenden Antrag am Donnerstag angenommen. Kritiker sehen hingegen eine Abkehr von der Energiewende.

Kritiker bemängeln, dass etwa beim Strom statt bisher 100 nur mehr 80 bis 97 Prozent aus erneuerbaren Quellen kommen sollen. Der zuständige LHStv. Michael Strugl (ÖVP) verteidigte sein Konzept "Energie-Leitregion OÖ 2050" im Landtag: Es sei eine "extrem ambitionierte" und auf den Standort zugeschnittene Strategie. Oberösterreich sei noch viel mehr als bisher Vorreiter bei der Energiewende. "Aber wir dürfen sie nicht marketinggetrieben betrachten, sondern faktenbasiert". Er wies darauf hin, dass Strom in andere Bereiche wie etwa die Mobilität vordringe und man die Zielkorridore der bisherigen Strategie bereits verlassen habe.

"Keine grüne Utopie"

FPÖ-Energiesprecher David Schießl lobte die neue Energiestrategie, die "keine grüne Utopie mehr" sei, sondern ein Kompromiss des Machbaren. "E-Mobilität kommt auf uns zu und der Strompreis muss weiterhin leistbar bleiben. Wir haben in der Vergangenheit gesehen, wie schnell die Strompreisstabilität gefährdet werden kann", so Schießl.

Vage relative Ziele würden oft von Entwicklungsländern gewählt, die erste Klimaschutz-Schritte vorbereiten, sieht hingegen Global 2000 eine "Energiestrategie auf Anfängeniveau". Das Klimaabkommen von Paris werde nicht einmal erwähnt. Während Niederösterreich mit seinem Verbot von Ölheizungen "Nägel mit Köpfen" mache, führe Strugl Oberösterreich "weg von internationalen Trends".

Anstieg an Atomstromimporten

Die Plattform atomstopp_oberoesterreich erwartet ein deutliches Ansteigen der Atomstromimporte. "Betroffen sind alle Sparten sauberer Energieversorgung, es würde also gleich einer ganzen Reihe von prosperierenden Unternehmen die Zukunftsperspektive verbaut", so die beiden Sprecher Roland Egger und Gabriele Schweiger.

Laut Stefan Moidl, Geschäftsführer der IG Windkraft, fußt die neue Energiestrategie auf veralteten Vorgaben: "Der aktuellste Bezugspunkt ist eine EU-rechtliche Vorgabe aus dem Jahr 2014", auch er vermisst eine Erwähnung des Pariser Klimaabkommens.

Lob kam erwartungsgemäß von ÖVP-Energiesprecher Josef Rathgeb. Er kündigte an, das Land werde mit 1. Juni einen Investitionsschwerpunkt starten, "damit noch mehr Unternehmen auf jene sauberen Energiequellen umsteigen". (APA, 18.5.2017)