Prix Ars Electronica an biopolitische Arbeit

23. Mai 2017, 09:38

Drei weitere Gewinner aus 3.677 Einreichungen

Linz – Eine radikale bio-politische Arbeit, unverfälschte Noise-Musik aus Südostasien, eine interaktive Natursimulation und ein unsichtbares Bild, das zugleich sichtbar ist, sind die vier Gewinner des heurigen Prix Ars Electronica. Sie wurden aus 3.677 Einreichungen aus 106 Ländern ausgewählt und in einer Pressekonferenz am Montag in Linz vorgestellt. Zu sehen sind sie beim Festival im September.

Heuer sind die biennalen Kategorien Hybrid Art und Digital Musics and Sound Art an der Reihe sowie Computer Animation, Film, VFX und U19 – create your world. Die Slowenin Maja Smrekar reüssierte mit einer radikalen bio-politischen Arbeit in der Hybrid Art. In der Werkreihe "K-9_topology" begann die Künstlerin in jahrelanger Arbeit, sich mit Hunden zu verbinden, erzeugt etwa einen Duftstoff aus ihrem Serotonin und jenem ihres Hundes. Am weitesten geht "ARTE_mis", in dem Smrekar eine ihrer Eizellen mit dem Sperma ihres Hundes künstlich befruchten ließ. "Ein hochspekulatives wissenschaftliches Projekt", kommentierte Gerfried Stocker, der künstlerische Leiter der Ars Electronica. Der politische Aspekt sei in dem Bereich anzusiedeln, in dem der neue US-Präsident mit sechs weiteren Männern ein Dokument unterzeichnet, das die Entscheidungsfreiheit der Frau über ihren Körper einschränkt.

Auszeichnungen erhielten "The America Project", die "sehr technologie-orientierte Arbeit" des Amerikaners Paul Vanouse, der versucht, mit der DNA von Hunderten Leuten den Stars and Stripes Banner zu imitieren, und "A Study into 21st Century Drone Acoustics", die als LP veröffentlichte Vertonung von 17 Drohnen-Typen. Dies sei durchaus schwierige Kost, gab Stocker zu, "doch das ist für den Prix der entscheidende Grund, warum er solche Bedeutung hat: Hier kommen die neuen Anstöße her!"

"Der Prix ist ein großartiges Spiegelbild der Entwicklung von Computerkunst zu Cyber Arts", schickte Christine Schöpf, die Kuratorin des Animation Festivals voraus. Die Goldene Nica ging an "Everything" des Iren David OReilly. In dieser Natursimulation können die Spieler alles, was sie sehen, auch selber spielen, es funktioniert aber auch als Video. Auszeichnungen erhielten "Out of Exile", eine kritische Auseinandersetzung mit Homophobie, und "Light Barrier 3rd Edition", eine Installation aus acht starken Video-Projektoren, die einen Formennebel mit Klangfeld erzeugen.

In der Kategorie Digital Music and Sound Art gewann mit "Not Your World Music: Noise in South East Asia" ein Buch über Kunst, Politik, Identität, Gender und globalen Kapitalismus. Cedrik Fermont und Dimitri della Faille interviewten dazu Musiker vor Ort und verrücken mit dem Projekt, zu dem auch eine CD gehört, die westliche Perspektive von "World Music", erklärte Emiko Ogawa vom Prix Ars Electronica. Auszeichnungen erhielten die Performance "Corpus Nil" und das Flipper-Musikinstrument "Gamelan Wizard".

Bei den u19-Einreichungen überzeugte "nonvisual-art" von Lisa Buttinger. Mittels Polarisationsfilter wird unsichtbares Licht in sichtbare Farben zerlegt und zu einem Bild geformt. Dafür verwendete die Oberösterreicherin Zellophan-Folien und Kleber. Sie setzt sich mit Lichtbrechung auseinander, seit sie acht Jahre alt ist, sagte die Schülerin der HBLA für künstlerische Gestaltung Linz. Auszeichnungen gingen an das Videospiel "Lares" und die Bildungs-Webplattform "Nerve". Für Lernspiele zum Periodensystem und einen Stop-Motion-Film gab es Sachpreise in den jüngsten Kategorien u14 und u10, der netidee Spezialpreis ging an "Big Poop Data", ein kritischer Kommentar zur Sammlung digitaler Daten und Plädoyer für den Schutz der digitalen Privatsphäre. (APA, 23.5.2017)