, Lisa Breit

Die Ellenbogentaktik hat ausgedient

Netzwerke und ein Maß an Gelassenheit sind angeblich entscheidender für die Karriere – worauf es noch ankommt

Mit mehr Freude und weniger Verkrampftheit gelinge der Aufstieg. Was zählt: das Momentum zu nutzen.

foto: istock

Augen und Ohren offenhalten und Chancen, die sich einem bieten, nutzen: das sei die Grundhaltung, um in Chefpositionen zu kommen, sagen Anita Hussl-Arnold und Wolfgang Steger, Coaches für Führungskräfte und Nachwuchsführungskräfte. "Man darf nicht in Vorstellungen vom richtigen Zeitpunkt verharren", sagt Hussl-Arnold, "wenn man das Jetzt gut nützt, geht der Weg fast automatisch nach oben." Wer im Überblick behält, was im Unternehmen passiert, was der Markt braucht, was die Kunden denken, der qualifiziere sich für verantwortungsvollere Positionen.

Karrierebooster Freude am Job

Wichtig für den Aufstieg sei auch das Netzwerk. Man solle sich mit anderen zusammentun und gegenseitig nach oben ziehen, die Ellenbogentaktik habe beim Hinaufklettern der Karriereleiter längst ausgedient. Sicherheit bringen könnten Mentoren, die das System kennen und vor allem: die es ehrlich mit einem meinen. Sie sind idealerweise in der Lage zu erkennen, welche Entwicklungsschritte es gerade braucht. "Sie nehmen junge Führungskräfte unter die Fittiche und lassen sie wachsen", sagt Steger. Aber auch, selbst als Mentor oder Mentorin aktiv zu werden, egal für wen in der Organisation, könne der Karriere nutzen. Digital Natives könnten ihre Fähigkeiten – nicht zuletzt auch die zur Innovation – Älteren zur Verfügung stellen – und sich dadurch profilieren. "Empowering" ist das Stichwort dazu.

Ebenfalls entscheidend, sagen die Coaches beim Trainingsinstitut "Future": Das Ganze nicht zu verkrampft anzugehen, Freude daran zu haben, was man tut und nicht immer daran zu denken, wer könnte das jetzt sehen?

Zwischen Macht und Menschen

Welche Eigenschaften gute Chefs ausmachen? Da Führung "immer etwas mit Menschen zu tun hat", müssten sie vor allem zugänglich sein, gut kommunizieren können. "Gleichzeitig ist auch eine Leidenschaft für die Sache selbst nötig, damit jemand für das Unternehmen stehen kann", sagt Steger. In Umbruchszeiten verändere sich der Anspruch an Führungskräfte stark. Verlangt sei eine andere Art von Autorität. Aufmerksamkeit erlange man weniger durch Wissen und Kontrolle als durch Beziehungsfähigkeit:_Fähige Chefs könnten Mitarbeiter vernetzen und daurch etwas entstehen lassen. Gute Führung sei zu Zeiten von Digitalisierung und Globalisierung ein Balanceakt – einerseits müsse man in der Lage sein, Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen das Gefühl zu vermitteln, dass sie sich einbringen können. "Dass sie und ihre Ideen gehört werden", sagt Steger. Gleichzeitig aber auch fähig, Orientierung zu geben. "Aus dem Vielen das Wichtige herauszufinden, um dort den Fokus hinzulegen, das ist das neue Verständnis von Macht, das nicht mehr nur Territorium und Position bedeutet", sagt Hussl-Arnold.

Mit Widerständen umgehen zu können, sich nicht entmutigen zu lassen, dran zu bleiben:_Auch das schaffe eine Art von natürlicher Autorität.

Experten ins Boot holen

In einer immer komplexer werdenden Welt seien Führungskräfte heute mehr denn je durch Inhalte gefordert, in die sie selbst keinen Einblick haben. Daher brauche es schließlich auch die Bereitschaft zu vertrauen. "Es gilt, sich auch einmal zurücklehnen und die Verantwortung abgeben zu können", sagt Hussl-Arnold.

Keinesfalls dürfe man davor zurückschrecken, Menschen einzustellen, die kompetenter sind – im Gegenteil müsse man sich deren Fähigkeiten zunutze machen, sie fördern. Steger: "Führung macht ja auch aus, dass ich nicht alles alleine schaffe." (Lisa Breit, 29.5.2017)

Mehr zum Thema Management Standard