Dorfsterben: Warum Frauen ländliche Gebiete verlassen

Kaum Arbeitsplätze, begrenzte Kinderbetreuung und patriarchale Strukturen lassen viele Frauen in Städte gehen. Warum haben Sie oder Ihre weiblichen Familienmitglieder die Heimatgemeinde verlassen?

Dem Land den Rücken kehren: Warum verlassen vor allem Frauen Dörfer und kleine Gemeinden?

Die Abwanderung aus ländlichen Gebieten stellt Gemeinden vor große Herausforderungen – speziell vom Schrumpfen betroffen sind Teile der Obersteiermark und Oberkärntens sowie das nördliche Wald- und Weinviertel. Ein nicht zu unterschätzender Aspekt im Zusammenhang mit dem Dorfsterben ist die Tatsache, dass vor allem Frauen ländliche Gebiete verlassen und in urbane Gegenden ziehen.

Hohe Qualifikation und patriarchale Strukturen

Ausbildung, Jobs und Kinderbetreuung – das sind die Hauptgründe, warum gerade Frauen in Ballungsgebiete ziehen. Der ländliche Arbeitsmarkt ist durch Landwirtschaft, Handwerk und Gewerbe stark männlich geprägt und veranlasst Frauen daher zu gehen, ergaben mehrere Studien von Tatjana Fischer, Forscherin an der Wiener Universität für Bodenkultur. Frauen mit höherer Ausbildung finden kaum Arbeitsplätze, die ihrer Qualifikation entsprechen. Ein weiterer wesentlicher Faktor ist der Mangel an Kinderbetreuungseinrichtungen mit Öffnungszeiten, die Frauen die Möglichkeit bieten, am Erwerbsleben teilzunehmen. Veraltete und patriarchale Strukturen tragen auch dazu bei, dass Frauen dem Land den Rücken kehren.

Viele User haben im STANDARD-Forum bereits eine Bestandsaufnahme aus ihren Orten, Dörfern und Gemeinden geliefert und Gründe für die Landflucht aufgezeigt – unter anderem, warum gerade Frauen den Umzug in Städte anstreben:

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Maßnahmen gegen die Landflucht

Die Entwicklung ist nicht neu, wie ein Beitrag im ORF-"Report" berichtet. So ging die Einwohnerzahl der Tiroler Gemeinde Pfafflar zwischen 1950 und 1968 um 15 Prozent zurück. Schon der damalige Bürgermeister hat Arbeit und gesichertes Einkommen als Gründe für die Landflucht der Frauen ausgemacht.

Umso verwunderlicher ist es, dass die Politik erst jetzt Bewusstsein dafür entwickelt. Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechters (ÖVP) Schwerpunkt liegt 2017 auf der Stärkung ländlicher Regionen, um der Landflucht ein Ende zu setzen. Die Maßnahmen sollten sein: Arbeitsplätze des Bundes in diese Regionen auslagern, Kinderbetreuungseinrichtungen ausbauen, eine Breitbandinitiative, weibliche Unternehmensgründungen fördern und Bewusstseinsbildung.

Warum haben Sie Ihre Heimatgemeinde verlassen?

Welche Maßnahmen braucht es, damit das Leben in ländlichen Strukturen für Frauen wieder attraktiver wird? Wie hat sich die Bevölkerungsstruktur in Ihrem Heimatort entwickelt? Mit welchen Herausforderungen haben Frauen auf dem Land zu kämpfen? Erzählen Sie von Ihren Erfahrungen und Einschätzungen der weiblichen Landflucht! (Judith Handlbauer, 31.5.2017)

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