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Inselhopping in Griechenland: Sprunghaft im Ionischen Meer

1. Juni 2017, 06:00

Zakynthos, Kefalonia und Lefkada sind überraschend unterschiedlich. Die drei griechischen Inseln eignen sich perfekt zum Hüpfen

Giórgos Tamaresis hält verzweifelt Ausschau. Doch auf dem fast spiegelglatten Meer vor Zakynthos tanzen nur Schaumkronen. Auch unter dem Glasboden des Ausflugsboots schwappen bloß kleine Wellen. Schildkröte Soferis hat heute keine Lust auf Touristen-Bespaßung. Der dicke Panzer des mehr als 60 Jahre alten Exemplars bleibt den suchenden Augen verborgen.

Zakynthos, die Gepanzerte

Seit 20 Jahren bietet Tamaresis Touren in der Bucht von Laganas an. Heute scheint kein guter Tag für die Beobachtung von Schildkröten zu sein. Also nimmt er erst einmal Kurs auf die unbewohnte Insel Marathonisi, die von weitem immerhin aussieht wie Kopf und Panzer dieses Tieres. "An die 600 Meeresschildkröten gibt es in diesem Gebiet. Die Caretta caretta kann bis zu 120 Zentimeter lang und rund 100 Kilogramm schwer werden. Sie ernährt sich von Quallen, Krebsen und Plankton", doziert Tamaresis.

Die Navagio- oder Schmugglerbucht mit dem alten Schiffswrack zählt zu den bekanntesten Postkarten- Motiven Griechenlands. Werden oft überlaufen Strand auf Zakynthos lieber meidet, fährt zum Schildkrötenschauen auf die vorgelagerten Inselchen.
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Plötzlich taucht ein mächtiger dunkler Schatten an der Backbordseite auf. Lediglich für ein paar Sekunden ragt ein schmaler Kopf aus dem Wasser. "Das muss Maria sein, denn der alte Soferis ist größer", sagt Tamaresis. Die Weibchen kommen zwischen Mai und September nachts an den Strand und legen bis zu 120 Eier in eine Grube. Ausgebrütet werden sie von der Sonne, doch die Jungen schlüpfen in der Dunkelheit, und nur mithilfe des Mondlichts finden sie den Weg ins warme, schützende Wasser."

Die Caretta caretta ist das viel fotografierte Wappentier von Zakynthos, dennoch kommen noch mehr Urlauber wegen der hellgelben Sandstrände. Der bekannteste verbirgt sich in der Schmugglerbucht, in der das Wrack eines 1980 gestrandeten Küstenschiffs liegt.

Kefalonia, die Auferstandene

Im Ionischen Meer stoßen die eurasische und die afrikanische Kontinentalplatte aufeinander, und das bekommt man hin und wieder zu spüren. 1953 wurde ein Beben der Stärke 7,2 für Kefalonia zum Schicksal und Neuanfang. Inselkennerin Kathrin Ommert führt seit fast 25 Jahren Gäste in jeden Winkel Kefalonias und erzählt über das Beben: "Es zerstörte nahezu die gesamte Insel. Erhalten blieben nur wenige Häuser im Norden in Fiskardo, wo die Fähren zur Nachbarinsel Lefkada ablegen." Viele Einwohner wanderten danach in die USA, nach Kanada oder Australien aus. Andere begannen mit dem Wiederaufbau im venezianischen Stil – erdbebensicher bis Stärke 8,0.

Die Ionischen Inseln unterlagen dem Einfluss vieler Völker. Venezianer, Türken, Franzosen, Russen, Briten wirkten hier. Wobei sich der venezianische Einfluss über mehrere Hundert Jahre bis zum Ende des 18. Jahrhunderts hielt. Nicht weißgetünchte Gebäude mit blauen Fensterläden prägen die Eilande, sondern bunt gestrichene Häuschen mit roten Ziegeldächern. Erst 1864 erfolgte der Anschluss an Griechenland.

Kefalonia ist ein Dorado für Sonnenanbeter, Wassersportler, Wanderer – und für Hobby-Höhlenforscher.
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Kefalonia ist ein Dorado für Sonnenanbeter, Wassersportler, Wanderer – und für Hobby-Höhlenforscher. Die Tropfsteinhöhle Drogarati bei Sami an der Ostküste hat ein gigantisches Ausmaß, von der Decke hängen gelborange Stalaktiten wie riesige Vorhänge. "Maria Callas war von der Akustik so begeistert, dass sie in der Höhle ein Konzert gab. Seitdem folgten viele Auftritte anderer Künstler", sagt Kathrin Ommert. Ganzjährig herrschen in der Höhle angenehme 17 Grad.

Nur wenige Kilometer entfernt gleiten ein paar Ruderboote über den unterirdischen See Melissani. Eine Legende besagt, dass sich die Nymphe Melissani darin ertränkte, weil der Hirtengott Pan sie abwies. Durch das eingestürzte Dach einer Höhlenkammer dringen wenige Sonnenstrahlen und hüllen den azurblauen, klaren See in ein magisches Licht.

Lefkada, die Steinreiche

Der ganze Stolz der Einwohner von Lefkada, der nördlichsten der drei Inseln, ist das Archäologische Museum. Der deutsche Archäologe Wilhelm Dörpfeld trug um 1900 Funde aus der Jungstein- und der Bronzezeit zusammen: Haushalts- und Arbeitsgeräte aus Ton, Waffen und Schmuck. Er fand sie in den Grabhügeln im weiter südlich gelegenen Ort Nydri. Sein eigenes Grab liegt gleich gegenüber auf der Halbinsel Agia Kyriaki.

Der Hafen von Nydri
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Steinreiche Jetsetter lockte ab Anfang der 1960er-Jahre Reeder Aristoteles Onassis nach Nydri. Er selbst hat damals Skorpios, eine der mehr als 20 kleinen vorgelagerten Inseln, erworben. Dort verbrachte er mit seiner zweiten Frau Jackie, der Witwe des ermordeten amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy, die Sommer. Onassis' Enkelin und Erbin Athina verpachtete Skorpios schließlich auf 100 Jahre an die Tochter eines russischen Milliardärs.

Im Hafen von Nydri steht ein lebensgroßes Denkmal für den Reeder. Die Yachten, auf die er von dort blickt, wirken in letzter Zeit etwa bescheidener. (Dagmar Krappe, 1.6.2017)

Anreise: Alle drei Inseln (der Flughafen für Lefkada ist Preveza auf dem Festland) werden von Wien aus von Fly Niki angeflogen. Zwischen Lefkada und Kefalonia sowie Kefalonia und Zakynthos gibt es mehrmals täglich Fährverbindungen.

Diese Reise erfolgte auf Einladung von Attika Reisen (www.attika.de).