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Die Suche nach Wahrheit: "Tatort" bis Klimawandel

5. Juni 2017, 17:00

Kaum ein anderes Phänomen lässt den universellen Reiz verborgener Wahrheiten besser zur Geltung kommen als die fiktionale Mördersuche

Die Suche nach Wahrheit klingt nach einer Herausforderung, die hehre Ideale und viel Hirn erfordert. Wissenschaft, Philosophie, Kunst haben sich der schwerwiegenden Aufgabe verschrieben, den Urgrund unseres Seins auszuloten oder bessere Handys zu bauen. Einer der größten Fehler unserer Zeit ist, die gewonnenen Wahrheiten in Elfenbeintürmen zu hüten und sie nicht, wie die Handys, hinauszutragen in den Alltag der Menschen. Siehe Klimawandel. Die Wahrheit gehört gerecht verteilt.

Dass das Ergründen von Wahrheiten, so unbedeutend sie auch sind, tief ins Wesen der Menschen geprägt ist, zeigt sich in vielen Eigenheiten des Alltags. Ein wunderbares Beispiel: Wer ist der Mörder im Fernsehkrimi? Diese ne bensächliche Frage fesselt für Stunden vor den Schirm.

Kaum ein anderes Phänomen lässt den universellen Reiz verborgener Wahrheiten besser zur Geltung kommen als die fiktionale Mördersuche: das Spiel mit Andeutungen, die man zu entschlüsseln hat; das mit dem Ermittler gemeinsame Eintauchen in ein Milieu, das nach eigenen Regeln funktioniert; schließlich die Regeln des Erzählens selbst – die im Grunde immer gleiche, in schnellen Strichen gezeichnete Verdichtung von Handlungselementen hin zu einer finalen Enthüllung. Die Wahrheitssuche basiert auf einer erzählerischen Formel. Deshalb kann ein grottenschlechter Tatort für den Zuschauer dennoch wunderbar funktionieren.

Die Wahrheiten des Klimawandels sind nicht so simpel wie jene des Tatorts. Um der Vermittlung willen wird versucht, die Komplexität einfach zu servieren. Woraufhin einige Mitmenschen misstrauisch werden und die vermeintlich einfachen Wahrheiten ablehnen, bei der Suche nach Hintergründen aber in die falsche Richtung abbiegen und sich in Verschwörungstheorien auf Youtube vertiefen. Darum noch einmal von vorn: Whodunnit? Das CO2. Tathergang? Wir blasen das CO2 aus Kohlenstoffspeichern, die sich über Millionen Jahre angesammelt haben, in nur 200 Jahren in die Atmosphäre. Wie stoppt man den Übeltäter? Aufhören damit! (Alois Pumhösel, 5.6.2017)