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Durchschnittlicher Schmerzpatient ist 50 Jahre alt

11. Juni 2017, 08:00

Von chronischen Schmerzen sind nicht vorrangig Betagte, sondern vor allem Personen mittleren Alters betroffen. Die Situation wird sich in Zukunft noch verschlimmern, sagen Experten

Chronischer Schmerz ist nicht vorrangig ein Problem von Hochbetagten. Erkrankungen des Bewegungs- und Stützapparates sind häufig die Ursachen für quälende Symptome in den mittleren Altersgruppen, sagen Experten.

"Wir haben in Tromsö in Norwegen ein Schmerzregister aufgebaut. Es umfasst 20.000 Personen. Rund 6.000 davon berichteten von chronischen Schmerzzuständen", sagt Audun Staubhag von der Universität Oslo. Das Durchschnittsalter der Betroffenen ist etwa 50 Jahre. Die Patienten berichteten von einer Leidensgeschichte von im Durchschnitt 8,3 Jahren. 31 Prozent hatten bereits um die Zuerkennung einer Invaliditätspension angesucht.

Wie groß die wirtschaftlichen Konsequenzen von chronischen Schmerzzuständen sind, geht auch aus Daten aus Großbritannien von Patienten mit Erkrankungen des Bewegungs- und Stützapparates hervor, die Anthony Woolf von der Global Alliance for Musculoskeletal Health vorlegte: "In Großbritannien gehen 58 Prozent der von solchen Erkrankungen Betroffenen einer regelmäßigen Beschäftigung nach, bei den Menschen ohne solche Problemen haben wir eine Beschäftigungsrate von 78 Prozent."

Düstere Aussichten

Fast 24 Prozent der Fälle von Invalidität seien in Großbritannien auf Erkrankungen des Bewegungs- und Stützapparates zurückzuführen. "Langfristig entwickelt jeder vierte Mensch solche Leiden. Acht Prozent davon entfallen auf Rückenschmerzen", sagt Woolf. "Die Zukunft schaut schlecht aus. Die Situation wird schlimmer, weil wir auch älter werden. Trotzdem ist die Ansicht, dass vor allem Betagte an solchen Problemen leiden, ein Stereotyp." Mit der in vielen Staaten angestrebten Erhöhung des Pensionsantrittssalters werde sich die Situation nur noch verschlimmern, wenn nicht mehr in Prävention, Therapie und Rehabilitation investiert werde.

Nimmt man zu frühe Sterblichkeit und "verlorene" Lebensjahre durch Invalidität infolge von chronischen Schmerzzuständen zusammen, rangieren die Erkrankungen des Bewegungs- und Stützapparates nach den Herz-Kreislauferkrankungen und Krebs mit einem Anteil von jeweils rund 19 Prozent bereits an dritter Stelle mit einem Anteil von rund elf Prozent.

Belastete Gesellschaft

"Bei den Krankheitskosten ist der Bluthochdruck mit einem Anteil von 36 Prozent am 'teuersten', Muskel- und Skeletterkrankungen haben einen Anteil von 24 Prozent. Noch viel größer ist die Belastung der Gesellschaft durch die notwendige permanente Unterstützung durch Angehörige und soziale Dienste", betonte der Experte.

"Dass von chronischem Schmerz Betroffene allein die 'Armen und Alten' sind, ist ein falsches Bild. Viele von uns stehen mitten im Leben und kämpfen sich mit ihren Problemen durch ein aktives Arbeitsleben", sagt Elsa Frazao Mateus von der Portugiesischen Liga gegen Rheuma. (APA, 11.6.2017)