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Skisport: Elisabeth "Lizz" Görgl hört auf

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12. Juni 2017, 14:34

36-jährige Doppelweltmeisterin von 2011 und zweifache Olympia-Medaillengewinnerin gab in Wien ihren Rücktritt bekannt

Wien – 378 Skiweltcuprennen in 16 Saisonen sind dann doch genug. Elisabeth "Lizz" Görgl hat am Montag nach insgesamt 20 Jahren als Mitglied des österreichischen Skiteams in Wien ihren Rücktritt bekanntgegeben. Der endgültige Entschluss, die professionelle Skifahrt sein zu lassen, fiel der 36-jährigen Steirerin aus Kapfenberg aber nicht leicht. Erst als sie nach gründlichen Überlegungen bemerkte, dass sie "großes Interesse für neue Inhalte" in ihrem Leben habe, reifte er. Daran konnten auch zahlreiche Aufforderungen vonseiten der Fans nichts ändern. "Was mich mit Sicherheit ausgezeichnet hat, war, dass ich nie aufgegeben habe und mich immer wieder neu motivieren konnte."

"Tüftlerin und Perfektionistin"

Lob und Anerkennung für die Grand Dame des österreichischen Skisports gab es von ÖSV-Sportdirektor Hans Pum: "Sie war eine Tüftlerin und Perfektionistin. Sie hat nichts dem Zufall überlassen, war immer ein Vorbild, offen und ehrlich." Auch ihr langjähriger Begleiter als Trainer, Jürgen Kriechbaum, lobte die Einstellung der Vorzeigeathletin: "Es war sehr interessant, mit einer Sportlerin wie ihr zu arbeiten. Hundertprozentiger Einsatz zeichnete sie aus. Hatte sie sich einmal verrannt, drückte sie den Reset und startete neu durch." Manchmal aber eckte Görgl auch ein bisschen an. "Zum Thema Materialabstimmung können manche ein Liedchen singen. Ich glaube, es war nicht immer ganz so einfach mit mir."

Kraft- und Koordinations-Trainerausbildung in Wien

Ihr Interesse an Fitness, Bewegung und körperlicher Arbeit brachten sie auf die Idee, eine Kraft- und Koordinations-Trainerausbildung in Wien zu starten. Künftig will die Markenbotschafterin einer Architekturfirma neben der weiteren Zusammenarbeit mit ihrer Skifirma und ihrem Sponsor auch Workshops für Unternehmen abhalten.

Doppelweltmeisterin in Garmisch-Partenkirchen

Die Tochter der zweifachen Olympia-Medaillengewinnerin Traudl Hecher und Schwester des 2012 zurückgetretenen Rennläufers Stephan Görgl hat Medaillen bei Weltmeisterschaften und Olympia gewonnen. Vor allem aber hat Österreichs "Sportlerin des Jahres 2011" zweimal Gold bei ein und derselben WM geholt. Und zwar 2011 in Garmisch-Partenkirchen, wo sie sich sowohl in Abfahrt als auch im Super-G den Titel sicherte. "Einen Tag, nachdem ich bei der Eröffnung der WM sang, holte ich Super-G-Gold. Das war sehr speziell. Dass ich mit dem Sieg in der Abfahrt zur Doppelweltmeisterin wurde, war die Krönung." Für dieses Verdienst wurde sie 2012 von der französischen Sportakademie in Paris für die herausragendste Leistung einer Sportlerin mit dem Prix Monique-Berlioux ausgezeichnet.

Zweifache Olympiabronzemedaillengewinnerin

Im März 2000 debütierte Görgl im Weltcup bei einem Slalom in Sestriere. Der erste wirkliche Meilenstein war aber der Europacup-Gesamtsieg 2003 nach drei gravierenden Verletzungen. Ihre ersten beiden Weltcuprennen gewann die Absolventin des Skigymnasiums Stams, die in ihrer Karriere mehrere Kreuzbandrisse überstehen musste, allerdings erst 2008 im Riesentorlauf (Marburg und Bormio), 2009 ließ sie WM-Bronze in der Super-Kombination und bei Olympia in Vancouver 2010 zwei Bronzemedaillen (Abfahrt und Riesentorlauf) folgen. Auch bemerkenswert: Die frühere Allrounderin und spätere Speedspezialistin stand in allen Disziplinen zumindest einmal auf dem Podest.

Sieben Weltcupsiege und 42 Podestplätze

Die siebenfache Weltcupsiegerin sammelte nicht weniger als 42 Podestplätze. Ihren letzten Erfolg feierte sie im Dezember 2014 beim Super-G in Val d'Isere. Der Sieg war insofern historisch, als sie Michaela Dorfmeister mit 33 Jahren und 304 Tagen als älteste Weltcupsiegerin überhaupt ablöste.

Im letzten Winter mehrten sich Anzeichen für ein nahendes Karriereende, als sie sich erstmals seit 2003 nicht für ein Großereignis qualifizieren konnte. Wie am Montag in Wien flossen deshalb auch in Cortina d'Ampezzo Tränen, als gewiss wurde, dass sie die WM in St. Moritz verpassen würde. Als Fünfte im Super-G beim Weltcupfinale von Aspen zeigte Görgl aber mit ihrem besten Saisonergebnis noch einmal auf.

"Privileg, Spitzensportlerin zu sein"

"Mädels, es ist ein Privileg, Spitzensportlerin zu sein!" Mit diesen Worten verabschiedete sich Görgl via Instagram von ihren Teamkolleginnen. Mit dem selbstgeschriebenen und mit bemerkenswerter Stimme vorgetragenen Song "It's up to you" sagte sie in Wien vor versammelter Journalistenrunde Adieu. (Thomas Hirner, 12.6.2017)

Elisabeth GÖRGL (36 Jahre):
Geboren am 20. Februar 1981 in Bruck an der Mur/Steiermark
Aufgewachsen in Parschlug bei Kapfenberg
Wohnort:
Innsbruck und Wien
Größe/Gewicht:
1,66 Meter / 68 Kilogramm
Familienstand:
ledig
Ski/Schuhe/Bindung:
Head
Verein:
Kapfenberger Sportvereinigung
Hobbys:
Sport allgemein, Tanzen, Musik, Wellness, Yoga
Homepage:
www.lizz.at
Olympia:
Bronze Abfahrt und Riesentorlauf 2010
Olympia-Teilnahmen 2006, 2010, 2014
WM:
Gold Abfahrt und Super-G 2011 Bronze Super-Kombination 2009
WM-Teilnahmen 2003, 2005, 2007, 2009, 2011, 2013, 2015
Weltcup:
7 Siege (3 Super-G, 2 Riesentorlauf, 2 Abfahrt)
Junioren-WM:
Bronze Slalom 1999
Europacup:
Gesamtsiegerin sowie Disziplinsiegerin RTL und Slalom 2003
Sonstiges:
Mit 33 Jahren und 304 Tagen die älteste Weltcupsiegerin
2009 Goldenes Verdienstzeichen der Republik Österreich
Österreichs "Sportlerin des Jahres 2011"