Extremismus: Imame treten aus Halbdunkel der Moschee heraus

Kommentar |
14. Juni 2017, 15:12

Die Verurteilung extremistischer Gewaltakte ist grundsätzlich positiv zu werten

Die Unterzeichner versprechen, es werde sie "nichts davon abbringen, uns für Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit, Chancengleichheit von Mann und Frau und gesellschaftliche Sicherheit auf der Basis der Vernunft und einer solidarischen Grundhaltung einzusetzen".

Sie "verurteilen die terroristischen und extremistischen Gewaltakte auf der ganzen Welt" und "stellen klar, dass es zur Aufgabe eines jeden Muslims und jeder Muslimin gehört, sich für die Sicherheit und den Frieden ... aktiv einzusetzen".

Die Unterzeichner sind 300 Imame (Prediger) der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ), der offiziellen Dachorganisation der allermeisten islamischen Glaubensrichtungen.

Damit haben die geistlichen und geistigen Führer der rund 700.000 Muslime in Österreich etwas getan, was man schon lange von ihnen forderte: sich klar gegen den islamischen Terrorismus und Extremismus auszusprechen.

Wenn man genau liest, werden zwar alle terroristischen und extremistischen Gewaltakte "auf der ganzen Welt" verurteilt, was implizit die Botschaft sendet, dass nicht nur Muslime Anschläge verüben; aber man sollte da vielleicht keine Wortklauberei betreiben (obwohl: Wieso ist von "Chancengleichheit" von Mann und Frau und nicht von "Gleichheit" die Rede?).

Sehr klar ist jedoch die Betonung der "Freiheit" als "unentbehrliches Gut für die Menschen", und das fällt in einem religiösen Kontext positiv auf. Die Imame treten jedenfalls aus dem Halbdunkel der Moschee heraus, und das ist wohl positiv zu werten. (Hans Rauscher, 14.6.2017)