Zum "Innovation Leader" fehlt Österreich noch einiges

15. Juni 2017, 10:30

Rat für Forschung und Technologieentwicklung: Grundlagenforschung muss besser finanziert werden

Wien – Damit Österreich in die Gruppe der "Innovation Leader" aufsteigen kann, wäre es vor allem notwendig, die Grundlagenforschung auszubauen sowie technologieaffine Jungunternehmen (Start-ups) oder Patentierungen stärker zu unterstützen. Zu diesem Schluss kommen Wirtschaftsforscher um Ex-IHS-Chef Christian Keuschnigg in einer Studie im Auftrag des Rats für Forschung und Technologieentwicklung (RFT).

Gruppe ohne Österreich

Zur Gruppe der sogenannten "Innovation Leader", zu der laut EU-Innovationsanzeiger Schweden, Dänemark, Finnland, Deutschland und die Niederlande zählen, fehlt Österreich seit einigen Jahren ein Stück. Als nunmehr fünfter unter der Gruppe der "Strong Innovators" liegt Österreich EU-weit auf dem zehnten Platz in dem Ranking.

Österreich habe es den Studienautoren vom Wirtschaftspolitischen Zentrum Wien (WPZ) zufolge "trotz vergleichbarer Werte beim Anteil der Industrie, bei Produktivität und bei den F&E-Investitionen (Forschung & Entwicklung; Anm.) bislang nicht geschafft, in diese Gruppe vorzustoßen". Trotz teils eher willkürlich gewählter Indikatoren zeige das Ranking "eine gewisse Schwäche bei der Umsetzung von F&E-Inputs zu Innovationen, also zu neuen Verfahren und Produkten, mit denen die Unternehmen Marktanteile gewinnen können", schreiben sie.

Neue Strategie vorgeschlagen

Damit der seitens der Politik vielfach angestrebte Aufstieg gelingen kann, schlagen sie eine mehrere Punkte umfassende "neue Innovationsstrategie" für Österreich vor: Je weiter ein Land technologisch voranschreitet, desto stärker müsse es selbst in der Lage sein, "Technologiegrenzen zu verschieben". Das gelinge nur, wenn der Anteil der Grundlagenforschung an den Gesamtinvestitionen in F&E erhöht werde.

Neben relativ wenigen in Österreich ansässigen großen Konzernen, die selbst Grundlagenforschung vorantreiben, könnten die vielfach überlasteten Universitäten und der unter Budgetknappheit leidende Wissenschaftsfonds FWF diese Weiterentwicklung nicht von sich aus vorantreiben. Hier seien demnach "erhebliche öffentliche Mehrausgaben" notwendig, heißt es in der Studie mit dem Titel "Innovationsland Österreich".

Weitere Punkte auf der To-do-Liste der Innovationsforscher sind beispielsweise der Ausbau der Unterstützung bei der Durchsetzung des patentrechtlichen Schutzes von Erfindungen mit wirtschaftlichen Potenzial und mehrere Punkte, die auf steuerliche und rechtliche Verbesserungen für Jungunternehmen – vor allem mit Technologie-Schwerpunkt – und leichteren Zugang zu Risikokapital abzielen. Außerdem sollte verstärkt darauf geachtet werden, dass Unternehmen ihre Forschungsaktivitäten weiter in Österreich vorantreiben bzw. diese hierher verlagern. (APA, 15. 6. 2017)