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Auch Trinkwasser kann verderben

20. Juni 2017, 13:21

60 Prozent der Österreicher wissen nicht, dass auch Wasser verderblich ist. Das Forum Wasserhygiene klärt über Gefahren durch verkeimtes Trinkwasser auf

Wien – Was viele nicht wissen, ist dass auch Wasser verderben kann. Laut einer Umfrage, die Marketagent im Auftrag des Forums Trinkwasserhygiene durchgeführt hat, halten 60 Prozent der Österreicher und Österreicherinnen Trinkwasser für nicht verderblich.

"Im Wasser können sich manche Bakterien unter bestimmten Bedingungen sehr schnell vermehren und Krankheiten auslösen", sagt Alexander Blacky, Facharzt für Hygiene und Mikrobiologie. Bei 160 Menschen wird laut offiziellen Zahlen in Österreich jedes Jahr die sogenannte Legionärskrankheit diagnostiziert, einer durch das Einatmen von feinsten Wassertröpfchen mit Legionellen hervorgerufenen Lungenentzündung. In ungefähr jedem zehnten Fall verläuft die Erkrankung tödlich. Legionellen können sich bei Wassertemperaturen von ungefähr 25 bis 50 Grad vermehren. Ein erhöhtes Risiko haben Menschen mit geschwächtem Immunsystem.

Potenzielle Gefahrenquelle für Verkeimungen

Wassertemperatur und stehendes Wasser stellen eine potenzielle Gefahrenquelle für Verkeimungen dar, ebenso Installationen, die nicht in ausreichenden Intervallen gewartet werden. "Die Menschen realisieren nicht, dass auch Wasser ein Ablaufdatum hat und dass sie für die Trinkwasserqualität im Gebäude – vom Wasserzähler bis zur Entnahmestelle am Wasserhahn – selbst verantwortlich sind", sagt Herbert Wimberger. Er ist Präsident des Forums Wasserhygiene und Gründer eines Unternehmens für Sanitärprodukte. Es würden immer häufiger Verkeimungen in Kaltwasser festgestellt, und zwar aufgrund von Stagnation, das heißt, nicht ausreichender Wasserentnahme.

Dabei würden die Wasserversorger strengsten behördlichen Kontrollen unterliegen und Wasser in bester Qualität liefern – sie hätten aber keinen Einfluss darauf, was in Gebäuden geschieht, erklärt Franz Dinhobl. Er ist Vizepräsident der Österreichischen Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW) und technischer Geschäftsführer des niederösterreichischen Versorgers EVN Wasser.

Trinkwasserqualität bewahren

Das Forum Wasserhygiene hat es sich zum Ziel gesetzt, Bewusstsein zu schaffen für die Eigenverantwortung von Hausbesitzern und Mietern sowie Möglichkeiten, die Trinkwasserqualität zu bewahren. Dazu gehören einfach Maßnahmen wie regelmäßige Wasserentnahme bzw. das Freispülen der Leitungen nach 24 Stunden Abwesenheit. Kaltwasser sollte maximal 20 Grad, Warmwasser mindestens 55 Grad haben. Außerdem empfiehlt es sich Installationen regelmäßig warten zu lassen und Brauseschläuche und Duschköpfe regelmäßig zu tauschen oder zu reinigen, so die Fachleute.

Mit dem Wissen der Menschen ist es nach Ansicht der Experten nicht allzugut bestellt: Zwei Drittel kümmern sich laut der Online-Umfrage nicht um die Wartung ihrer Trinkwasserinstallationen. Etwa ebenso viele führen schlechte Trinkwasserqualität allein auf veraltete Leitungen – Bleirohre – zurück. Zwei Drittel des in Österreich getrunkenen Wassers kommen aus der Leitung. (APA, 20.6.2017)