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Aufruhr über Angriff auf Frau in kurzen Hosen

21. Juni 2017, 16:17

Mann fühlte sich durch Kleidung im Ramadan "provoziert" – Frauenrechtlerinnen beklagen eine Zunahme der Gewalt gegen Frauen in der Türkei

Istanbul – Ein Angriff auf eine Frau wegen des Tragens von kurzen Hosen im islamischen Fastenmonat Ramadan hat in der Türkei für Aufruhr gesorgt. Türkische Medien berichteten am Mittwoch von dem Fall, in dem ein Mann einer Studentin in einem Bus in Istanbul ins Gesicht geschlagen hatte, nachdem er sie wegen ihrer Kleidung kritisiert hatte. Der Angreifer wurde festgenommen, befragt und wieder freigelassen.

Anstieg der Gewalt gegen Frauen

Den Berichten zufolge gab der Mann an, er habe sich von der Kleidung der Frau "provoziert" gefühlt. Der Vorfall und die Freilassung des Angreifers sorgten für Kritik von Frauenrechtlerinnen. "Die Freilassung des Angreifers ist eine Gefahr für alle Frauen", kritisierte die Plattform gegen Gewalt an Frauen auf Twitter. "Wir werden in der Öffentlichkeit anziehen, was immer wir wollen. Wir werden unsere Freiheiten nicht aufgeben."

Vergangenes Jahr hatte ein Mann bei einem ähnlichen Fall in einem Bus in Istanbul eine Frau getreten, weil sie kurze Hosen trug. Im derzeit laufenden Gerichtsverfahren drohen ihm neun Jahre Haft. Frauenrechtlerinnen beklagen seit langem eine Zunahme der Gewalt gegen Frauen in der Türkei. Laut der Plattform gegen Gewalt an Frauen wurden 2016 in dem Land 328 Frauen ermordet, allein seit Jahresbeginn waren es 173.

Kritik an Erdogan

Ein von Medien veröffentlichtes Überwachungsvideo aus dem Bus zeigt, wie der Mann die 21-jährige Studentin beim Verlassen des Busses unvermittelt schlägt. Die Studentin sagte der Zeitung "Hürriyet", sobald sie sich im Bus vor ihn gesetzt habe, habe er sie beschimpft, sie solle sich schämen, sich im Ramadan derart zu kleiden.

KritikerInnen werfen dem islamisch-konservativen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan vor, die Freiheiten der säkularen Bevölkerungsschichten einzuschränken und ihnen seinen eigenen Lebensstil aufzuzwingen. (APA, 21.6.2017)

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