Recruiting ist offenbar kein Traumberuf

Viele der für eine Studie befragten Recruiter seien in ihre Aufgabe "hineingewachsen"

Passt ein Bewerber? Lebenslauf und Bauchgefühl entscheiden.

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Recruiting ist meist kein Traumberuf, sondern hat viel mit Zufall zu tun. Das sagt die Studie "Recruiting im Wandel" der Plattform Expedition.R, für die 116 Personen, die in ihrem Unternehmen für Recruiting verantwortlich sind, online befragt wurden. Vorausgegangen sind der Befragung ausführlichere Interviews. Thema der Studie war auch, welche Veränderungen in der Branche erwartet werden und wie man sich darauf vorbereitet.

Die Ergebnisse zeigen zunächst, dass fast die Hälfte der Befragten zufällig ins Recruiting gekommen und dann "hineingewachsen" ist. Ihre Kenntnisse hätten sie durch Learning by Doing oder einschlägige Weiterbildungen erworben. Vollzeit-Recruiter gibt es laut Umfrage offenbar nur wenige. Recruiting scheint meist nur eine Aufgabe von vielen: Weniger als jeder fünfte Befragte ist mehr als zwei Drittel seiner Arbeitszeit damit beschäftigt.

Bauchgefühl ist wichtiger Faktor

Auch wie für einen Bewerber entschieden wird, wurde abgefragt. Das Ergebnis macht deutlich: Für viele sind der Lebenslauf und das Anschreiben nach wie vor die wichtigste Entscheidungsgrundlage. Mehr als 90 Prozent geben an, dass man die passende Bewerberin oder den passenden Bewerber an der Berufserfahrung erkennt.

Man achtet ebenfalls auf bestimmte Ausbildungen und Qualifikationen (72 Prozent), seltener auf Referenzen (28 Prozent). Bei der Entscheidung für oder gegen jemanden vertrauen schließlich fast neun von zehn (86 Prozent) auf ihre "persönliche Einschätzung", ihr Bauchgefühl.

Wie experimentierfreudig?

Wie sich die Branche auf die digitale Zukunft vorbereitet? Ein gutes Drittel der befragten Recruiter, die in der Umfrage ihre Meinung kundtaten, zeigt sich gegenüber Neuerungen am Markt aufgeschlossen und experimentiert damit. Ein weiteres Drittel wartet allgemeine Erfahrungen zunächst ab und springt dann auf. Allerdings hat ein Drittel der Befragten kein Interesse an Innovationen am Markt und arbeitet lieber mit bestehenden Instrumenten weiter.

Das "How to" scheint aktuell im Vordergrund zu stehen. So sind Interviewtechniken für knapp die Hälfte relevant, Eignungsdiagnostik als deren Grundlage aber nur für ein gutes Drittel.

Know-How für Social Media fehlt

Inserate sind nach wie vor Touchpoint Nummer eins im Recruiting. Social Media oder Online-Kanäle werden nur selten verwendet. Das liege zum Teil auch daran, dass das Know-how fehlt.

An ihrem Beruf schätzen die Befragten übrigens den Kontakt mit vielen unterschiedlichen Menschen. Die meisten sehen sich selbst als empathisch. (red, 5.7.2017)

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