, Karin Bauer

Ratgeberliteratur: Und jetzt auch noch Urlaub

Ein wöchentlicher Blick auf das, was in der Arbeitswelt schief läuft

Auch das freudvolle Thema Urlaub ist schon zugeschüttet unter einer Flut der Tippgeberliteratur.

foto: istock

Runter mit der Krawatte, weg mit der Schminke, raus aus den Schuhen und der (vielleicht ebenso drückenden) Rolle: endlich Urlaub. Da braucht es nicht viel. Klingt so leicht, klingt so einfach. Verlockend plätschernd, kitzelnd, inspirierend.

Mitnichten. Auch dieses freudvolle Thema ist schon zugeschüttet unter einer Flut der Tippgeberliteratur. Verwunderlich, dass die solcherart ungefragt Beratenen es überhaupt zustande bringen, in der Früh alleine und selbstständig aufzustehen, sich anzukleiden, den Rest der praktisch nötigen Alltagsdinge zu erledigen und darüber hinaus offenbar noch einer Erwerbsarbeit nachzugehen. In der aktuellen Umfrage zum Urlaubsthema von karriere.at unter Erwerbstätigen rät etwa der Geschäftsführer des Portals zur Frage der Urlaubsplanung: "Genau wie der Urlaub selbst sollte auch dessen Planung im Kollegenkreis keinesfalls zum Stress werden." Es sollten sich, so der Experte weiter, alle Teammitglieder gemeinsam abstimmen. Tja, jeder mit sich alleine abstimmen ginge schneller – aber wo er recht hat, hat er recht, das führt nicht dorthin, wo es sollte. Guter Tipp also.

Zuallererst sollte gelogen werden

Geht es dann endlich konkret an die Vorbereitung, hat die Wiener Managementberaterin Sabine Prohaska Anleitung für ein Gelingen des Urlaubs in 14 Punkten zu bieten: Zuallererst sollte gelogen werden: "Sagen Sie allen Freunden und Bekannten sowie Kunden und Kollegen, mit denen Sie nicht direkt zusammenarbeiten, dass Ihr Urlaub einen Tag früher beginnt." Vorgriff auf die Rückkunft in puncto störender Geschäftsanrufe: "Sagen Sie allen Personen, mit denen Sie nicht direkt zusammenarbeiten, dass Sie erst zwei Tage später zurückkehren."

Weil ja im Sinne der "Wiederherstellung der Arbeitskraft" im Urlaub abrupt auf Kommando vergessen werden soll, wonach den großen Rest des Jahres funktioniert wird – Konkurrenz, Leistungsoptimierung, Steigerungsimperativ usw., usf. -, gleich der Tipp, um rechtlichen Grauzonen zu Fragen der Erreichbarkeit im Urlaub auszuweichen: "Vergessen Sie Ihr Handy oder Smartphone zu Hause."

Unfähigkeit zum Selbstmanagement

Da braucht man gar nicht anderswo weiterlesen, wo vielleicht noch "Entspannen Sie sich", "Seien Sie gelassen" angeraten wird. Andererseits scheint die erahnte Unfähigkeit zum Selbstmanagement im Alltag der arbeitenden Bevölkerung ja doch so grenzenlos, dass sich auf der Tippliste auch "Beginnen Sie spätestens vier Tage vor Reiseantritt mit dem Packen" (damit man noch einen neuen Bikini kaufen kann, sollte man aus dem der vorigen Saison herausgequollen sein) und "Vereinbaren Sie am letzten Arbeitstag keinen Friseurbesuch mehr" (könnte länger dauernd als geplant und brächte außer Atem). Wie jetzt? Ich bin doch schon einen Tag früher weg? Na ja. Ich arbeite noch an meiner Urlaubsfähigkeit. Echt stressig. (kbau, 30.6.2017)

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