Foto: iStockphoto / Getty Images / Andrey Popov

Mythen und Vorurteile: Periode beeinflusst geistige Fähigkeiten nicht

4. Juli 2017, 16:07

Eine neue Studie untersucht den hormonellen Einfluss des Zyklus auf die kognitiven Leistungen von Frauen

Zürich – Der Körper von Frauen ist noch immer der Ursprung vieler Mythen und Vorurteile. Dass Frauen während ihrer Menstruation nicht leistungsfähig seien, ist einer davon. Eine eben erschienene Studie liefert Daten, die diesen Vorstellungen nun etwas entgegensetzt.

Brigitte Leeners und ihr Team zeigen in ihrer im "Frontiers in Behavioral Neuroscience" veröffentlichten Untersuchung, dass die geistigen Fähigkeiten während der Periode nicht eingeschränkt sind. Für die Studie untersuchten die ForscherInnen drei verschiedene kognitive Aspekte während zweier aufeinanderfolgender Zyklen. Es zeigte sich, dass die Levels an Östrogen, Progesteron und Testosteron keinen Einfluss auf die drei Faktoren Arbeitsgedächtnis, die Fähigkeit, sich auf zwei Dinge gleichzeitig zu konzentrieren, und die kognitive Verzerrung haben.

Zwar hatten manche dieser Hormone teilweise Einfluss auf einige der Teilnehmerinnen, allerdings nur während eines der beiden Zyklen und nie während beiden. Somit hatte keines der Hormone einen reproduzierbaren, andauernden Effekt auf die kognitive Leistung der teilnehmenden Frauen.

Gefühlte Wahrheiten

Brigitte Leeners, Spezialistin für Reproduktionsmedizin und Psychotherapeutin, kennt die Auswirkungen von gefühlten Wahrheiten. "Ich habe sehr oft mit Frauen zu tun, die den Eindruck haben, dass der Menstruationszyklus einen Einfluss auf ihr Wohlbefinden und ihre kognitiven Leistungen hat."

Für die eben veröffentlichte Studie wurde ein deutlich größeres Sample an Teilnehmerinnen als bisher üblich herangezogen. Während die Dauer vieler Studien nur den Zeitraum eines Zyklus umfasst, untersuchte Leeners Team an der Medizinischen Hochschule Hannover und dem Universitätskrankenhaus in Zürich den Zeitraum von zwei Menstruationszyklen.

Insgesamt nahmen 68 Frauen an der Studie teil. Dabei wurden die Probandinnen genau beobachtet, um eventuelle Veränderung in der kognitiven Leistung in verschiedenen Phasen des Zyklus festzustellen. Das Team untersuchte dabei die Unterschiede der Leistung der Frauen untereinander und achtete auf Unterschiede bei einzelnen Personen über den Zeitraum der Studie.

Keine Störung durch Periode

Die hormonellen Veränderungen in Verbindung mit dem Menstruationszyklus zeigen keine Verbindung zur kognitiven Leistung, sagt Leeners. "Auch wenn es vielleicht einzelne Ausnahmen gibt, ist keine generelle Störung der kognitiven Leistung von Frauen aufgrund hormoneller Veränderung während des Menstruationszyklus vorhanden", weiß die Reproduktionsmedizinerin.

Sie ist allerdings überzeugt, dass weitere Forschung in dem Feld notwendig ist. Die Studie sei zwar ein wichtiger Schritt vorwärts, doch seien weitere kognitive Tests wichtig, um ein besseres Gesamtbild zu erhalten, wie der Menstruationszyklus das Gehirn beeinflusst. Dabei solle man größere Samples an Frauen und größere Untergruppen an Frauen mit hormonellen Störungen zur Untersuchung heranziehen. In der Zwischenzeit, so hofft Leeners, sollen die Ergebnisse ihrer Untersuchung dabei helfen, mit Mythen rund um die Menstruation aufzuräumen. (red, 4.7.2017)