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Kinder von Alleinerziehenden als Erwachsene unzufriedener und ärmer

5. Juli 2017, 08:00

Das Aufwachsen bei nur einem Elternteil beeinflusst laut einer Studie Kinder noch als Erwachsene negativ – die Gründe sind vor allem sozioökonomischer Natur

Männer und Frauen, die als Kinder bei einem alleinerziehenden Elternteil lebten, sind im Erwachsenenalter durchschnittlich weniger zufrieden mit ihrem Leben als Erwachsene, die in ihrer Kindheit von beiden Elternteilen aufgezogen wurden. Zudem verdienen sie im Schnitt weniger, sind häufiger arbeitslos und haben seltener gelingende Partnerschaften und weniger Freunde. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Universität Warwick.

30 Prozent weniger Gehalt

Konkret verdienen die ehemaligen Kinder von Alleinerziehenden um 30 Prozent weniger, und sie leben um neun Prozent seltener in einer Partnerschaft, die sie als beglückend beschreiben. Die Forscher machen vor allem sozioökonomische Einflüsse wie höhere Armutsgefährdung in den Haushalten von Alleinerziehenden dafür verantwortlich.

Die Studienteilnehmer wurden danach befragt, wie zufrieden sie mit ihrem Leben insgesamt sind, wie hoch ihr durchschnittliches Einkommen ist, wie oft sie einen Arzt besuchen, wie sehr sie sich sozial eingebunden fühlen und wie gut ihre Partnerschaften funktionieren.

Weniger finanzielle und soziale Ressourcen

"Unser Ergebnis legt nahe, dass beide Elternteile auch dann noch wichtige Ressourcen bereitstellen, wenn der Nachwuchs bereits erwachsen und dem Elternhaus entwachsen ist", so die Forscher. "Während der frühen Erwachsenenjahre bestehen diese Ressourcen vor allem aus finanzieller Unterstützung und dem Zugang zu Sozialkontakten und Netzwerken, die relevant sind, um einen guten Job zu bekommen."

Das Team um die Studienleiter Sakari Lemola vom Department für Psychologie an der Universität Warwick und David Richter vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung hatte rund 24.000 Erwachsene zwischen 18 und 66 Jahren in die Studie einbezogen. Von den Probandinnen und Probanden waren 641 die gesamte Kindheit über bei nur einem Elternteil aufgewachsen, 1.539 einen Teil ihrer Kindheit.

92 Prozent der Alleinerziehenden in Österreich sind Frauen

In Österreich sind rund 14 Prozent aller Familien mit Kindern unter 15 Jahren sogenannte Ein-Eltern-Familien, 160.000 Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren leben bei nur einem Elternteil. In 92 Prozent ist die Mutter alleinerziehend. Alleinerziehende sind auch hierzulande deutlich häufiger von Armut betroffen. (red, 5.7.2017)