Muss Freiwilligenarbeit selbstlos sein?

Ehrenamt und Selbstvermarktung: Müssen Freiwillige ganz uneigennützig handeln oder dürfen sie mit Gewinn in Sachen Status und Jobchancen rechnen?

Nur hergeben? Oder muss auch etwas zurückkommen? Jugendliche haben klare Vorstellungen: Freiwilligenarbeit muss das Image steigern.

foto: dpa/ felix heyder

Fast ein Drittel der Österreicherinnen und Österreicher engagiert sich fix und regelmäßig freiwillig bei der Feuerwehr, in Umweltorganisationen, in Kultur- und Sportvereinen oder für soziale Anliegen.

Abgesehen vom gesellschaftlichen Mehrwert: Wer solcherart tätig ist, hat offenbar mehr vom Leben, denn Studien zufolge leben Freiwillige länger, sind gesünder und glücklicher. Regelmäßige Freiwilligenarbeit macht sich meistens auch im Lebenslauf gut – Ausdauer, Engagement, Organisationsfähigkeit werden solcherart als "Gewinn" für Arbeitgeber ausgewiesen.

Pluspunkt fürs Image

Laut Jugenkulturforscherin Martina Schorn (tfactory) wollen sich auch Junge gern freiwillig engagieren. Allerdings: das "Vereins-Amterl" auf Lebenszeit ziehe nicht mehr. Junge Freiwillige wollen Verantwortung übernehmen und erwarten klar abgesteckte Aufgaben. Und sie wollen ihr Engagement "vorzeigen" können: Es muss das Image der Freiwilligen steigern – nicht weil diese eitler sind als früher, sondern weil Individualität und Selbstvermarktung zur beinharten "Pflicht" geworden sind.

Ein Engagement wird im digitalen Zeitalter umso attraktiver, je eher es sich etwa in sozialen Medien darstellen lässt: "Etwas, von dem es kein Foto gibt, ist auch nicht passiert", sagte Schorn. Generell erwarten demnach Jugendliche, dass ihnen freiwilliges Engagement etwas bringt: Die einen wollen vor allem Spaß, andere suchen neue Freunde, wieder andere neue Erfahrungen. Den reinen Philantropen finde man fast nicht mehr.

Wie sehen Sie das? Reicht es wenn das eigene Herz lacht? Ist es verwerflich für die gute Tat einen Gegenwert zu verlangen? (red, 21.7.2017)

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