Foto: Inge Morath / Fotohof-Archiv

Fotografin Inge Morath: Der Kosmos der Weltenbürgerin

7. Juli 2017, 11:00

Das Graz-Museum zeigt berühmte Porträts der 2002 verstorbenen Fotografin. Außerdem Bilder jener Farm in Connecticut, auf der sie bis zu ihrem Tod mit ihrem Mann, Arthur Miller, lebte und arbeitete

Graz – Es sind nur zwei Räume im Graz-Museum (ehemals Stadtmuseum), und es sind nicht die größten des Hauses. Doch an ihren Wänden werden in der Ausstellung Inge Morath – Portraits viele Geschichten erzählt. Geschichten von vielen bekannten, aber auch ein paar unbekannten Menschen, welche die Fotografin Inge Morath im Laufe von 50 Jahren festhielt. Ein ganzer Kosmos entsteht da auf den Schwarz-Weiß-Fotografien, auf denen immer auch der ganz persönliche Kosmos der verewigten Personen festgehalten wurde.

"Sie hat sich mit dem Werk der jeweiligen Person intensiv auseinandergesetzt, kam dann zum Termin und redete zuerst einmal ein, zwei Stunden nur über deren Arbeit, bevor sie anfing, Bilder zu machen", erzählt der Fotograf und Galerist vom Salzburger Fotohof, Kurt Kaindl. Er arbeitete lange mit Morath und kuratierte die Schau in Graz, die in der Museumsreihe Grazer Weltenbürger/-innen läuft.

Männerdomäne

Morath studierte erst Sprachen unter anderem in Berlin, um später bei der Fotoagentur Magnum in New York in eine Männerdomäne einzubrechen. Sie machte von Ikonen wie Marilyn Monroe, Jean Cocteau oder Pablo Picasso einige der berühmtesten Fotos. Und sie war Grazerin. 1923 geboren, stammte sie aus einer Familie mit starken Frauen, schon die Großmutter kämpfte im 19. Jahrhundert für Frauenrechte. "Wir haben dazu in unseren Archiven interessante Dokumente gefunden", erzählt der Direktor des Museums, Otto Hochreiter, beim Rundgang.

Die Kamera war stets dabei: Inge Morath fotografiert an der Donau in Regensburg, Deutschland, 1995.
foto: kurt kaindl

Bei Magnum begann sie nicht sofort mit Porträts, war aber auch nie eine klassische Kriegsberichterstatterin. Sie nannte das, "was sie in fremden Ländern festhielt, Kulturräume", sagt Kaindl. In der Ausstellung finden sich auch frühe Dokumente ihrer Reisefotografien etwa aus Venedig oder Palästina. "Kaum hatte ich angefangen, auf den Auslöser zu drücken, wusste ich: Das ist die richtige Art für mich, dem was ich in mir habe, Ausdruck zu geben", schreibt sie später über diese Venedigreise, die sie mit ihrem ersten Mann unternommen hatte und auf der sie erstmals beruflich fotografierte, in einem Brief.

Foto von Monroe

Im ersten Raum findet man auch eines der Fotos von Monroe, die barfuß unter einem Baum, ganz ohne sonst übliche aufgesetzte sexy Posen, für den Film The Misfits übt. Oder einen spitzbübisch lächelnden, kampflustigen Pablo Picasso, der in Vallauris mit der Mütze in der Hand gestikuliert. Daneben hängen Bilder von Literaten wie H. C. Artmann, Barbara Frischmuth, Friederike Mayröcker, Friedrich Dürrenmatt oder Anais Nin – in ihren Wohnungen, vollgeräumten Arbeitszimmern oder einem Café.

Im zweiten Ausstellungsteil erzählen Räume etwas über die Fotografin selbst, die 1962 den – mittlerweile – Exmann Monroes, den Dramatiker Arthur Miller, heiratete, und mit ihm in eben jenes Haus nach Connecticut zog, in dessen Garten Monroe auf den Fotos zu sehen war. Die ehemalige Farm in Roxbury wurde bis zu Moraths Tod 2002 ihr Zuhause und ihr Arbeitsplatz. Kurt Kaindl und Brigitte Blüml-Kaindl besuchten Morath von 1990 bis 2002 fast jedes Jahr, um mit ihr Bücher und Ausstellungen vorzubereiten.

Holzsilo als Atelier

Kaindl begann dabei seinerseits, den Morath'schen Kosmos festzuhalten: Neben dem ehemaligen Farmhaus gab es eine zur Gästewohnung umgebaute Scheune und ein Holzsilo. Dieser Rundbau, in den man Fenster eingebaut hatte, war das Atelier Moraths. Kaindls Fotos beweisen, dass es wenig Intimeres gibt als den Schreibtisch eines Menschen, die Arbeitsunterlagen, die kleinen Souvenirs aus aller Welt, die darauf liegen und stehen. Auf Moraths lag auch das Programm des Forum Stadtpark, das sie sich immer aus Graz schicken ließ.

Auf den meisten Bildern sind die Räume nicht von ihren Bewohnern – Morath und Miller – bevölkert, sondern still und doch voller Leben. Sie liegen da wie Mäntel, die jemand kurz abgestreift hat, um sie gleich wieder anzuziehen. Miller starb 2005, nur drei Jahre nach Morath. (Colette M. Schmidt, 7.7.2017)

Bis 28. 8.

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Graz-Museum