"Tote Mädchen lügen nicht": Kinderärzte fordern Verbot der Serie

8. Juli 2017, 06:00

Deutsche Pädiater sehen in der Serie eine "große Gefahr – insbesondere für psychisch kranke und labile junge Menschen"

Köln – Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in Deutschland fordert ein Verbot der Netflix-Serie "Tote Mädchen lügen nicht". Man sehe in ihr eine "große Gefahr insbesondere für psychisch kranke und labile junge Menschen", erklärte der Verband.

Kritiker fürchten, dass die mitunter detaillierte Darstellung suizidgefährdete Menschen dazu bringen könnte, sie sich als Vorbild zu nehmen. "Jugendliche, die sich mit der Idee der Selbsttötung beschäftigen, werden durch die Serie möglicherweise in Richtung Tat beeinflusst", so der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. Netflix verweist darauf, dass es bei der Serie eine Kindersicherung gebe und auch bei Zuschauern über 16 Jahren mit Warnhinweisen gearbeitet werde.

Das österreichische Bildungsministerium hat kürzlich eine Empfehlung für Lehrer veröffentlicht, wie mit dem Drama um Mobbing und Suizid unter Teenagern umgegangen werden soll. Problematisch wird vor allem gesehen, dass in der Serie "keine adäquaten Hilfsmöglichkeiten dargestellt werden, sodass leicht der falsche Eindruck entstehen kann, dass es keine Hilfe gibt oder dass Hilfesuchen keinen Sinn macht". (APA, dpa, red, 8.7.2017)

Wer gegenüber einem anderen Menschen auch nur den leisesten Verdacht auf eine Gefährdung vermutet, sollte den Betroffenen offen darauf ansprechen, raten Experten.

Hilfseinrichtungen für Personen, die sich in einer Krise befinden oder Suizidgedanken haben:

kriseninterventionszentrum.at

Soforthilfe:

Unter dieser Nummer erhalten Sie qualifizierte und rasche Hilfestellung rund um die Uhr: Psychiatrische Soforthilfe (0–24 Uhr): 01/313 30

Kriseninterventionszentrum (Mo–Fr 10–17 Uhr): 01/406 95 95

Rat und Hilfe bei Suizidgefahr: 0810/97 71 55

Sozialpsychiatrischer Notdienst: 01/310 87 79

Telefonseelsorge (0–24 Uhr, kostenlos): 142

Rat auf Draht (0–24 Uhr, für Kinder & Jugendliche): 147

Sorgentelefon für Kinder, Jugendliche und Erwachsene (Mo–Sa 14–18 Uhr, kostenlos): 0800/20 14 40

Männernotruf Steiermark: 0800 246 247

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