Führungskräfte gestresst – aber zufriedener als Mitarbeiter

Bei weiblichen Führungskräften und Chefs mit Migrationshintergrund geht die Leitungsfunktion allerdings nicht mit einer höheren Arbeitszufriedenheit einher

Trotz der hohen Anforderungen und Belastungen im Beruf sind Führungskräfte zufriedener als ihre Mitarbeiter. Allerdings: Bei weiblichen Führungskräften und Chefs mit Migrationshintergrund geht die Leitungsfunktion nicht mit einer höheren Arbeitszufriedenheit einher.

Rund 400.000 Personen oder elf Prozent aller Beschäftigten bekleiden in Österreich laut einer aktuellen Auswertung der oberösterreichischen Arbeiterkammer (AK) Führungspositionen. Wie es ihnen in der Arbeit ergeht und welche Herausforderungen wahrgenommen werden, ist Thema der Auswertung. Der so genannte "Führungskräfte Monitor" stützt sich dabei auf die Daten des Österreichischen Arbeitsklima Index – vierteljährliche Umfragen unter Österreichischen Arbeitnehmern. Die Stichprobe liegt bei rund 4000 Befragten pro Jahr.

Männlich und eher jung

Zunächst natürlich die Frage, wer die Führungskräfte eigentlich sind: Führungspositionen werden zwar immer noch zu fast zwei Dritteln von Männern ausgeübt, allerdings ist der Frauenanteil in letzter Zeit gestiegen. Auch der Anteil an jüngeren Führungskräften steigt: Mittlerweile ist schon fast ein Drittel jünger als 36 Jahre. Auffällig ist auch, dass sich der Anteil an Führungskräften mit Migrationshintergrund in den letzten drei Jahren fast verdoppelt hat, heißt es im Führungskräfte-Monitor.

Keine Zeit zum Verschnaufen

Führungskräfte arbeiten viel und lange. Mehr als die Hälfte klagt über Zeitdruck. 44 Prozent erleben ständigen Arbeitsdruck ohne Zeit zum Verschnaufen. Fast 80 Prozent machen zumindest gelegentlich Überstunden. "Sie sind in hohem Ausmaß durch lange Arbeitszeiten belastet, die oftmals nur schwer mit privaten Verpflichtungen, wie etwa der Kinderbetreuung, vereinbar sind. Das versperrt insbesondere Frauen oftmals den Weg in die Führungsetagen", sagt der oberösterreichische AK-Präsident Johann Kalliauer.

Respekt vor harten Entscheidungen

Mehr als die Hälfte der Führungskräfte tut sich außerdem schwer damit, manchmal harte Entscheidungen treffen zu müssen. Weitere Herausforderungen sind das Erfüllen der Vorgaben von Eigentümern oder Vorgesetzten, die Verantwortung für Umsatz und Gewinn, gesundheitlich durch die Arbeit nicht beeinträchtigt zu werden, persönlichen Angriffen ausgesetzt zu sein und die Mitarbeiter zu motivieren.

Große Zufriedenheit – aber nicht bei Allen

Trotz der hohen Anforderungen und Belastungen im Beruf erzielen Führungskräfte einen Arbeitsklima Index von 112 Punkten, um fünf Punkte über dem Durchschnittswert sämtlicher Beschäftigter. Sie haben eine deutlich höhere Einkommenszufriedenheit im Vergleich zu sonstigen Beschäftigten, bewerten die eigenen Karrierechancen positiver und sind mit dem eigenen gesellschaftlichen Status zufriedener. Aber auch von betrieblichen Sozialleistungen profitieren Führungskräfte häufiger. "All diese positiven Aspekte fallen stärker ins Gewicht als die hohen Anforderungen in der Arbeit", sagt Kalliauer. Allerdings: Bei weiblichen Führungskräften und Chefs mit Migrationshintergrund geht die Leitungsfunktion nicht mit einer höheren Arbeitszufriedenheit einher.

Und wie geht es eigentlich den Beschäftigten mit ihren Chefinnen und Chefs? Sieben von zehn österreichischen Arbeitnehmern sind mit dem Führungsstil ihrer Vorgesetzten laut AK zufrieden. Dieser Anteil sei seit der Jahrtausendwende unverändert geblieben. Am zufriedensten mit dem Führungsstil sind Beschäftigte demnach im Gesundheits- und Sozialwesen, in der öffentlichen Verwaltung, im Tourismus und im Unterrichtswesen. Unzufriedener sind Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft, vor allem im unternehmensnahen Dienstleistungsbereich und im Bauwesen. (lhag, 7.7.2017)

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