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Kindergartenstudie: Maßgeblich ist stets das bessere Argument

Userkommentar
12. Juli 2017, 15:41

Nach den "Kurz-Leaks" steht auch die Arbeitsweise am Institut für Islamisch-Theologische Studien in der Kritik. Ehemalige und aktuelle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts zu den Vorwürfen

Vieles ist in den letzten Tagen neben der im Zentrum stehenden Kindergartenstudie auch über die Arbeit am Institut für Islamisch-Theologische Studien (IITS) der Universität Wien medial präsentiert worden, das die Arbeitsrealität an unserem Institut nicht widerspiegelt. Dass sich gerade jetzt Menschen öffentlich zu Wort melden und die Situation der Diskussion um die Kindergartenstudie nutzen, um das Institut öffentlich zu diffamieren, mag einerseits an Profilierungssucht im postfaktischen Zeitalter liegen, in dem es keine Rolle mehr spielt, ob Behauptetes richtig oder falsch, unvollständig oder verdreht dargestellt wird; andererseits soll offensichtlich – und ohne die Ergebnisse der Prüfung der Kindergartenstudie durch die Universität Wien abzuwarten – Professor Ednan Aslan und mit ihm das gesamte Institut in Misskredit gebracht werden.

Uns, den ehemaligen, und auch den jetzigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am IITS ist es deshalb ein Anliegen, die Arbeitsweise am Institut zu erläutern. Die verzerrte Darstellung, die sich teilweise in den Medien fand, schadet nicht nur dem Ruf des Instituts, sondern auch uns persönlich und unserer Arbeit an anderen Projekten. Zu den im "Falter" erhobenen Vorwürfen werden wir nicht Stellung nehmen, sondern vertrauen auf die unabhängige und objektive Prüfung der Studie durch eine Kommission der Universität Wien.

Wissenschaftliche Arbeitsweise

Die von einem ehemaligen Mitarbeiter, Rami Ali, in einem Facebook-Posting und einem "Kurier"-Interview am 4. Juli, dem Tag des Erscheinens des "Falter"-Artikels, überraschend erhobenen Vorwürfe zur wissenschaftlichen Arbeitsweise an unserem Institut – auch die Kindergarten-Studie betreffend – können und wollen wir jedoch nicht unwidersprochen stehen lassen. Studien und Doktorarbeiten, die bislang unter der Leitung von Professor Aslan durchgeführt wurden, liefern nicht nur im österreichischen, sondern auch im internationalen Kontext wichtige und anerkannte Ergebnisse. Bei der Qualität der Arbeiten spielen neben den Kompetenzen der Wissenschafterinnen und Wissenschafter auch die von Professor Aslan geschaffene interdisziplinäre Zusammensetzung des Teams und die Möglichkeit, die wissenschaftliche Arbeit frei zu gestalten, eine große Rolle. Die nun erhobenen Vorwürfe, die die Strukturen der Zusammenarbeit mit Professor Aslan betreffen, weisen wir zurück.

Rami Ali äußert beispielsweise, die Kindergarten-Studie habe in den wöchentlichen Teamsitzungen nie Platz gehabt. "Die Besprechung dieser fand dann hinter verschlossenen Türen statt." Diese Aussage ist unwahr. Bei den wöchentlichen Teamsitzungen werden von den einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Arbeitsfortschritte der jeweiligen Projekte präsentiert. Dies betrifft beziehungsweise betraf stets alle Projekte, in die das Institut involviert ist. Wenn nun von einem ehemaligen Mitarbeiter, der selbst kaum am Institut anwesend war, behauptet wird, dass der Kindergartenstudie in den Teamsitzungen kein Raum gegeben worden und diese quasi hinter verschlossenen Türen bearbeitet worden wäre, dann liegt das vermutlich daran, dass dieser in seiner kurzen Anstellungszeit nicht bei allen Sitzungen anwesend war, oder die in die Studie involvierten Personen nicht an jenen Sitzungen teilnahmen, an denen er zugegen war. Über die Kindergartenstudie ist, wie über jedes andere Projekt, offen in den Teamsitzungen gesprochen worden.

Zugang zu allen Daten

Es gehört zur Arbeitsweise an unserem Institut, dass alle Projekte offen besprochen und bearbeitet werden. Grundsätzlich hat jede Mitarbeiterin, jeder Mitarbeiter zu allen Daten aller laufenden und abgeschlossenen Projekte über das universitäre Intranet Zugang, bis zu den Kurz-Leaks. Es war immer allen möglich, alle Daten der diversen Projekte abzurufen. Das war und ist wichtig, weil so, speziell bei sich inhaltlich überschneidenden Projekten ein einfacher und unbürokratischer Austausch der Daten gegeben war.

Die Arbeitsweise am Institut für Islamisch-Theologische Studien ist von einem offenen, gewissenhaften und respektvollen Umgang miteinander geprägt. Davon zeugen auch die zahlreichen Events, die außerhalb der regulären Arbeitsumgebung veranstaltet werden, wie etwa das jährliche Iftar-Mahl. Inhaltliche Diskussionen werden ebenfalls offen geführt. Dabei ist nicht die Meinung von Professor Aslan maßgeblich, sondern stets das bessere Argument, unabhängig davon, um welche Studie oder welches Projekt es sich handelt. Wenn jetzt behauptet wird, dass Professor Aslan immer wieder versuchen würde, seine Vorstellungen durchzusetzen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in gewisse Richtung zu drängen, so hängt diese Behauptung vermutlich damit zusammen, dass der entsprechende Mitarbeiter recht eigene Vorstellungen von Projektmitarbeit hatte und den Rahmen jener Arbeit, für die er bezahlt wurde, im Laufe der Zeit immer häufiger verlassen hat und sich Themen widmete, die mit der Arbeit an diesem Projekt nichts zu tun hatten.

Wir arbeiteten und arbeiten am Institut frei von jeglichem Einfluss. Bei Studien achten wir auf wissenschaftlich korrektes Arbeiten und nicht darauf, wem sie womöglich dienen oder nicht dienen. Dafür stehen wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des IITS zum heutigen Tag und auch zukünftig, sodass die Wissenschaftlichkeit unserer Arbeit von jeglicher Parteinahme unabhängig bleibt. (Azra Agovic, Cigdem Önder, Evrim Ersan Akkilic, Hacer Percin Basibueyuek, Heiko Heinisch, Maria Jedliczka-Huszti, Michael Kramer, Minela Salkić Joldo, Miriam Metze, Nadire Mustafi, Ranja Ibrahim, Sarah Abou El Regal, Ulvi Karagedik, Viktor Forian-Szabo, 12.7.2017)