, Steffen Arora

Teleskopierbare Sattelstützen: Die letzte große Baustelle am Mountainbike

Drei junge, radlbegeisterte Oberösterreicher sorgen mit einer neuen Variostütze für Aufsehen in der Mountainbike-Szene. Ab heute wird die Eightpins exklusiv an Liteville-Kunden ausgeliefert

Im extremen Gelände Nepals getestet und dabei von Trial-Profi Tom Öhler für gut befunden. Ab heute sind die Endkunden am Wort.

foto: stefan voitl / eightpins

Saubere Optik dank fehlender Sattelklemme. Im unteren Bereich des Sattelrohres ist die Aufnahme der Postpin-Achse erkennbar.

foto: stefan voitl / eightpins

Die drei Erfinder (v.l.): Patrick Buchberger, Andreas Haimberger und Lukas Eberlberger.

foto: eightpins

Innsbruck – Seit dem Enduro-Trend sind teleskopierbare Sattelstützen, die sich auf Knopfdruck aus- und einfahren lassen, fixer Bestandteil des Mountainbike-Sports. Nach Federung und Scheibenbremsen gelten sie für viele als die große technische Innovation. Doch wirklich ausgereift sind die zugegeben praktischen, aber teuren Spielzeuge bislang nicht. Drei junge Oberösterreicher haben nun in jahrelanger Entwicklungsarbeit eine von Grund auf neue Lösung konzipiert, mit der sie "die letzte große Baustelle am Mountainbike" in Angriff nehmen. Die Idee zur Eightpins-Sattelstütze hatte Zerspanungstechniker Lukas Eberlberger bereits vor acht Jahren. Vor drei Jahren war das erste Funktionsmuster fertig. "Und das Konzept hat geklappt", erinnert sich Andreas Haimberger, der zusammen mit Patrick Buchberger das Trio hinter der Erfindung bildet.

Das Ende der Sattelklemme

Der große Unterschied liegt darin, dass die Eightpins-Stütze keine nachrüstbare Lösung darstellt, wie die bisher am Markt erhältlichen Variostützen, sondern bereits in die Rahmenkonstruktion integriert wird. Anders als bisher fixiert man sie nicht mittels Sattelklemme am Sattelrohr, sondern über die eigens entwickelte Postpin-Achse direkt im unteren Teil des Sattelrohres am Rahmen. Das sieht nicht nur optisch sehr gut aus, es bringt auch technische Vorteile, wie Haimberger erklärt: "Die Sattelklemme mit dem Rohr-im-Rohr-Prinzip ist von den Kräften her, die dort wirken, eigentlich ungünstig. Unsere Stütze wird mit der Achse direkt im Rahmen verschraubt." Allerdings setzt dies voraus, dass der Rahmenhersteller bereits die Aufnahme für diese Postpin-Achse mit einplant.

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Daher gibt es im Moment nur eine Marke, die Eightpins als Standard verwendet – die deutsche Edelbikeschmiede Liteville, deren Komponentenmarke Syntace als Partner von Eightpins fungiert. Die neuen Modelle 301 MK14 und 601 MK04 werden serienmäßig mit der innovativen Sattelstütze aus Oberösterreich angeboten. Seit heute, Dienstag, wird die Stütze an die Kunden ausgeliefert. Zwar kommt nicht jeder Rahmenkit automatisch mit Eightpins. Aber, wie Haimberger weiß: "Bisher wurde noch keiner ohne unsere Stütze bestellt." Daher freuen sich die Jungunternehmer über eine vierstellige Zahl an Vorbestellungen. Mehr dürfen sie aus Rücksicht auf die nicht veröffentlichten Absatzzahlen der Liteville-Bikes nicht verraten. In anderen Bikes kann die Stütze nicht nachgerüstet werden, weil die Aufnahme für die Postpin-Achse fehlt.

Der Rahmen als Hülle

Die zweite große Innovation neben der Postpin-Achse ist die Konstruktion des Rohres der Sattelstütze. Verwendete man bisher zwei ineinander gesteckte Rohre für Variostützen, die wiederum ins Sattelrohr geklemmt wurden, so nutzt die Eightpins das Sattelrohr selbst als Hülle. Dadurch kommt die Stütze mit nur einem Rohr aus, das einen Durchmesser von stolzen 33 Millimetern aufweist – Voraussetzung dafür ist ein Sattelrohrdurchmesser von 34,9 Millimeter. "Das verspricht mehr Stabilität bei geringerem Gewicht", wie Haimberger erklärt. Überhaupt legten die Erfinder ein Augenmerk auf das Gewicht. Bei der mechanischen Verriegelung kommen acht Pins zum Einsatz, die der Stütze auch den Namen gaben. Das garantiere eine zuverlässige, annähernd verschleißfreie und sehr präzise Positionierung des Sattels in sechs Millimeter-Schritten, so die Hersteller.

Die Eightpins kommt in vier unterschiedlichen Hubvarianten – von 150 bis 220 Millimeter – für unterschiedlich große Fahrerinnen und Fahrer. Das Sattelstützenlänge beträgt ab Werk 480 Millimeter und kann je nach Belieben gekürzt werden. Im Idealfall ist dadurch ein Absenken bis praktisch zum Sattelrohr möglich. Ein großes Manko bei den bisher erhältlichen Variostützen, die meist nur bis einige Zentimeter über dem Sattelrohr absenkbar sind. Bei der Eightpins hängt es letztlich je nach Hub von der Größe des Fahrers ab, ob sie bis zu zwei Zentimeter tiefer geht, als die Konkurrenz.

Die reale Gefahr, kopiert zu werden

Die Erfinder betonen, dass ihr Produkt dadurch besticht, dass es robuster ist als die bisher erhältlichen Variostützen und zudem wartungsarm. So kommt nur eine kleine Gasdruckfeder zum Einsatz, was die Fehleranfälligkeit verringert. Und durch die zwei Gleitbuchsen sowie die Fixierung mittels Postpin-Achse wird die Biegekraft durch den Rahmen aufgenommen. Dass Liteville-Mastermind Jo Klieber die Eightpins in seinen Rädern verbaut, spricht prinzipiell für das Produkt. Denn sie scheint das berüchtigte Syntace-Testlabor des Kooperationspartners bestanden zu haben.

Im Moment haben die Oberösterreicher drei Patente vorangemeldet und hoffen, dass ihre Technik nicht sofort von anderen Herstellern nachgebaut wird. "Das ist eine reale Gefahr. Aber wir sind einigermaßen zuversichtlich, dass das nicht passiert, weil vor allem die Frästechnik nicht leicht zu kopieren ist", sagt Haimberger.

Mit der Auslieferung an die Kunden beginnt nun die große Bewährungsprobe für die Innovation "made in Austria". Die drei Erfinder wurden bereits mit einigen Vorschusslorbeeren bedacht. So räumten sie noch vor Markteinführung den 'Innovation of the Year-Award' von Pinkbike sowie den 'Design & Innovation Award 2017' ab. Derzeit sucht man Gespräche mit Mountainbike-Herstellern, die Interesse daran haben, die Stütze serienmäßig zu verbauen. Haimberger hofft, bis Ende des Jahres weitere Partner gefunden zu haben, um 2019 mit ihnen am Markt loszulegen. Denn um sich echte Löhne auszubezahlen, reiche die Auftragslage noch nicht. Bisher haben die Jungunternehmer ihr Produkt vor allem dank Preseed-Förderung des Austria Wirschaftsservice zur Serienreife entwickeln können. (11.7.2017, Steffen Arora)

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