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Es muss nicht immer Apple sein: "China-Airpods" für 15 Euro im Test

30. September 2017, 12:09

Erstaunlich gute Klangqualität und einfache Installation – Freestereo Twins TWS-K2 aber mit Defiziten bei Sprache

Die Vorstellung der Airpods nebst gleichzeitiger Entfernung des Klinkensteckers beim iPhone 7 hat nicht nur eine Kontroverse um die Zukunft der altgedienten (und immer noch zuverlässigen) Buchse ausgelöst, sondern auch verschiedene Hersteller dazu beflügelt, stärker auf Drahtloskopfhörer zu setzen. Insbesondere Modelle mit zwei Ohrhöhrern, die auch ohne Kabel zwischeneinander auskommen, scheinen seitdem wie Pilze aus dem Boden zu schießen.

Neben etablierten Herstellern buhlen neue Produzenten auf Kickstarter und Co. um die Gunst der Crowd. Und chinesische Firmen locken mit günstiger Ware, die komplett drahtloses Musikvergnügen zum Budgetpreis versprechen. Um rund 15 bis 20 Euro erhält man bei diversen Anbietern wie Volumerate, Tinydeal, Wish und zahlreichen anderen Importhändlern (oder teurer bei Amazon) unter anderem das Modell Freestereo Twins TWS-K2. Der Webstandard hat die "China-Airpods" auf ihre Qualitäten getestet.

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Lieferumfang und Verarbeitung

Geliefert werden die Hörer in einer kleinen Kartonverpackung mit Sichtfenster, wie für Produkte dieser Art üblich. Es liegt eine Anleitung in recht kleiner Schriftgröße bei. Das darin verwendete Englisch ist ausbaufähig, aber ausreichend verständlich, um die Kopfhörer in Betrieb zu nehmen. Vor dem ersten Einschalten wird jedoch angeraten, sie aufzuladen.

Um ihren Akku, der laut Angabe jeweils 55 mAh fasst, zu füllen, kommt eine Ladestation zum Einsatz. Diese wiederum verfügt über zwei Steckplätze mit Kontaktpins, in denen die Hörer etwas lose drin sitzen. Ihr Ladezustand wird per roter (aufladen) und blauer (voll) LED signalisiert.

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Versorgt wird das Dock über ein beiliegendes microUSB-Kabel, ihr integrierter Akku ermöglicht auch ein Aufladen unterwegs – sofern man die Ladestation irgendwo abstellen kann. Da es keinen Fixiermechanismus gibt, ist ein Laden in der Jackentasche nicht möglich. Wie groß der Akku der Ladeeinheit ist, ist hingegen unklar. Hier gibt es bei den Händlern verschiedene Angaben. Die häufigste scheint 450 mAh zu sein.

Verarbeitungstechnisch ist die Ladestation, die sehr leicht und großteils hohl ist, für den Preis okay. Gleiches gilt für die Hörer selber. Der verwendete Kunststoff wirkt robust. Das modern gehaltene Design gefällt, die Geschmäcker werden sich hier aber wohl teilen. Ähnlichkeiten zum Kopf einer elektrischen Zahnbürste gibt es jedenfalls nicht.

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Komfort und Bedienung

Beigelegt sind schwarze Silikonpads in drei verschiedenen Größen., sodass sich die Hörer von jedem bequem tragen lassen sollten. Der Halt ist gut, aber nicht so sicher, dass man intensivere sportliche Betätigung mitsamt den Hörern empfehlen kann – das mag allerdings auch vom individuellen Ohrkanal abhängen. In Ermangelung eines Verbindungskabels und angesichts der kleinen Maße (etwa 28 x 28 x 20 Millimeter) ergibt sich natürlich ein gewisses Verlustrisiko. Als in irgendeiner Form wasserfest sind die Hörer übrigens nicht deklariert.

Die Freestereo Twins lassen sich einzeln und als Duo für Stereowiedergabe nutzen. In letzterem Falle genügt es, sie annähernd gleichzeitig einzuschalten und nach der Bestätigung der gegenseitigen Kopplung mit dem Handy zu verbinden. Ist dies einmal erledigt, funktioniert die Anbindung in weiterer Folge problemlos automatisch.

Das "dominante" Ohrteil meldet sich als linker Kanal auf Englisch und bestätigt auch erfolgreiches Ein- und Ausschalten sowie Verbinden mit dem anderen Hörer und dem Smartphone in ebendieser Sprache. Das rechte Ohrteil meldet An und Aus hingegen auf Chinesisch.

Der Knopf auf der Außenseite der Geräte führt situationsbedingt bei langem, kurzem und doppeltem Druck unterschiedliche Funktionen aus. Man kann Anrufe abheben, ablehnen und halten oder bei Musik-Apps die Wiedergabe pausieren und fortsetzen. Zumindest in der Theorie, denn bei Google Play Music führte ein Tastendruck zum Sprung aufs nächste Lied. Lautstärkeregelung muss über das Handy vorgenommen werden.

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Klang und Akku

Sehr positiv überrascht die Klangqualität. Der Sound ist für ein Bluetooth-Headset laut und satt, selbst Bässe klingen okay. Verbindungsabbrüche zwischen den Hörern gab es während des Tests keinen, lediglich beim Streamen von Musik waren selten kurze Aussetzer zu bemerken – vorwiegend beim Fahren in der Ubahn, wo auch zahlreiche andere Bluetoothgeräte anderer Passagiere gleichzeitig aktiv sind. Die Twins TWS-K2 nutzen Bluetooth 4.1 und versprechen eine Reichweite von bis zu zehn Metern, die auch ungefähr eingehalten wird.

Am Anfang einer Wiedergabe kommt es zu einer minimalen Verzögerung zwischen den Hörern, die aber nur bei extrem kurzen, einzeln wiedergegebenen Sounds auffällt, nicht aber bei Telefonie oder Musik.

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Apropos Telefonie: Diese funktioniert ausschließlich mittels Mono-Wiedergabe und läuft über das linke Ohrteil. Der Gesprächspartner ist ausreichend klar und laut zu vernehmen. Man selbst kommt allerdings etwas leise und undeutlich und mit dem einen oder anderen Hintergrundgeräusch an. Die Sprachqualität des Mikrofons ist nach zwei längeren Testanrufen als unterdurchschnittlich einzustufen.

Bis zu vier Stunden Sprechzeit und 40 Stunden Stand-by sollen laut Spezifikationsangaben mit einer vollen Ladung (Ladedauer: etwa zwei Stunden) möglich sein. Das Maximum der Sprechzeit wurde nicht überprüft, bei dauerhafter Musikwiedergabe auf recht hoher Lautstärke ergibt sich eine Laufzeit von drei Stunden. Etwa zehn Minuten vor dem "Ende" meldet sich der Linke Ohrhörer mit einer "Battery low"-Warnung, die einmal minütlich wiederholt wird, ehe sich die Twins von selber ausschalten. Ein passables, allerdings unspektakuläres Resultat.

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Fazit

Für 15 Euro erhält man mit den Freestereo Twins TWS-K2 brauchbare Drahtlos-Ohrhörer. Die Verarbeitung ist für den Preis gut, die Sprachqualität allerdings durch leise und etwas undeutliche Stimmaufnahme getrübt. Dafür überraschen sie bei der Klangausgabe, die sich durchaus mit teurerer Markenware messen kann. (Georg Pichler, 30.09.2017)

Hinweis im Sinne der Leitlinien: Das Testmuster wurde bei Wish erworben.

Links (Beispielangebote)

Volumerate

Tinydeal

Wish