Wird es wärmer, bleiben Flugzeuge am Boden sitzen

13. Juli 2017, 12:29

US-Studie: Veränderte Luftdichte führt dazu, dass Flugzeuge weniger Last tragen können

New York – Die durch den Klimawandel steigenden Temperaturen könnten einer neuen US-Studie zufolge in den kommenden Jahrzehnten den Luftverkehr weltweit erheblich einschränken. Für viele Flugzeuge werde es schwieriger abzuheben, schreiben Forscher um Ethan Coffel von der New Yorker Columbia University im Fachjournal "Climatic Change".

Grund dafür sei, dass wärmere Luft sich ausdehnt, wodurch wiederum die Dichte abnimmt. Die Forscher gehen davon aus, dass die Höchsttemperaturen an Flughäfen bei gleichbleibender Menge der Treibhausgas-Emissionen bis zum Jahr 2080 um vier bis acht Grad Celsius steigen werden.

Flugzeuge überlastet

Dann müssten etwa zehn bis 30 Prozent aller voll besetzten Flugzeuge in den heißesten Stunden des Tages entweder Treibstoff, Passagiere oder Ladung entfernen oder aber auf Abkühlung warten, um loszufliegen. Dies hänge unter anderem von Flugzeugtyp und der Länge der Startbahn ab. Rund vier Prozent Gewicht müssten bei manchen Flugzeugtypen an heißen Tagen entfernt werden, das wären bei 160 Plätzen zwölf bis 13 Passagiere. Dadurch entstünden "nicht unbedeutende Kosten".

Das Team betont, dass Ende Juni etwa American Airlines in Phoenix im US-Bundesstaat Arizona mehr als 40 Flüge streichen musste, da kleinere Regionaljets bei den Temperaturen von fast 50 Grad nicht mehr starten konnten.

"Möglicherweise lawinenartige Auswirkungen"

Bis 2100 erwarten Forscher einen weltweiten Temperaturanstieg von zwei bis vier Grad Celsius, zudem werden Hitzewellen zunehmen. "Weil die Welt sich immer mehr vernetzt und die Luftfahrt zunimmt, könnte das möglicherweise lawinenartige Auswirkungen haben, wirtschaftliche und sonstige", sagt Ko-Autor Radley Horton vom Goddard Institute for Space Studies der US-Weltraumbehörde NASA. Besonders betroffen wären in den USA Flughäfen in Phoenix, Dallas, Denver, New York und Washington, zudem weitere in Europa, China, Südasien und dem Nahen Osten.

Die meisten Studien hätten bisher geprüft, wie sich der Flugverkehr – derzeit verantwortlich für etwa zwei Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen – auf das Klima auswirke. Diese Untersuchung prüfte nun den umgekehrten Zusammenhang. (APA, 13. 7. 2017)