, Guido Gluschitsch

Alfa Romeo Giulia: Bellezza, nicht Einefetza

Die Diesel-Giulia ist fesch und bodenständig zugleich und zeigt mit Lenkung sowie Fahrwerk den Konkurrenten, wie das richtig gehört

Wien/Burgenland – 1960 hatten 2,5 Prozent aller in Österreich angemeldeten Pkws einen Dieselmotor als Antrieb. Seit damals steigt der Dieselanteil beim Pkw-Bestand kontinuierlich und erreichte 2016 mit 57 Prozent sein Maximum.

Ganz nebenbei, weil wir gerade dabei sind: Ebenfalls ein Maximum gab es bei den E-Autos, die machen jetzt schon 0,2 Prozent aus. Damit auch schon wieder zurück zum beliebteren Diesel.

Diese Zahlen allein sind Grund genug, die Giulia von Alfa Romeo mit dem Dieselantrieb zu testen – auch wenn ehrlich gestanden schon vor dem Test feststeht, dass das eigene "coure sportivo" eindeutig für die 510 PS starke Quadrivoglio-Verde-Giulia schlägt.

Die kostet aber als Nackerte samt Automatik 87.900 Euro. Da sparen wir uns in der 180 PS starken Dieselversion in der Ausstattungsvariante "Super" samt jeder Menge Schnickschnack (selbsttätig zurückfahrende Ledersitze beim Abstellen, Sport-, Komfort-, Winter-, Performance- und Fahrerassistenzpaket) gleich einmal mehr als 30.000 Euro. Im aktuellen Lire-Kurs sind das umgerechnet drei aufgebrezelte Fiat Panda.

Primadonna

Und ja, der kernige Diesel passt nicht annährend so gut in die grazile Giulia wie ein V6-Benziner, was an dem Umstand liegt, wie traumhaft direkt sich die Giulia fährt. Das Fahrwerk ist superstraff. Und die Lenkung! Diese Lenkung! Sie sei die direkteste im Konkurrenzumfeld, sagt Alfa Romeo. Das glauben wir sofort. Es dauert sogar zwei Tage, bis man sich komplett daran gewöhnt hat. Wer danach in ein anderes sportliches Auto einsteigt, sollte es moderat angehen, weil: Hat man sich erst an das straffe Ruder gewöhnt, glaubt man, alle anderen seien kaputt.

Die Acht-Gang-Automatik von ZF leistet hervorragende Arbeit, und die Grundabstimmung der Test-Giulia ist so gelungen, dass man den Fahrerlebnisschalter, der sich der Buchstaben DNA bedient, gar nicht angreifen braucht.

Gelungen ist auch das Design. Wenn man sich der Italienerin nähert, ist man jedes Mal versucht, ein Selfie mit ihr zu machen – Sophia Loren nix dagegen -, und innen fühlt man sich als aktiver Fahrer bestens aufgehoben. Alles ist herrlich fahrerorientiert und versprüht einen sportlichen Charme.

Der Scudetto und das seitlich versetzte Kennzeichen sind typisch für einen Alfa Romeo wie die Giulia. Schönheit und Sportlichkeit auch.
foto: guido gluschitsch

Gemeinsam mit dem Scudetto – dem Schildchen, wie die Italiener zum Kühlergrill sagen und der das Kennzeichen auf die Seite drängt – ist der sportliche Innenraum eines der Markenzeichen von Alfa Romeo. Der Hinterradantrieb war es zuletzt bei Mito und Giulietta nicht. Erst mit dem 4C gab Alfa Romeo wieder ein agiles Lebenszeichen von sich – und da schließt die Giulia direkt an. Nur halt nicht unbedingt als Diesel. (Guido Gluschitsch, 20.7.2017)

Link

Alfa Romeo

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

Mehr zum Thema Auto