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Den Gelsen das Licht anknipsen

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16. Juli 2017, 16:00

Der LED-Gelsenstecker tötet zwar die blutsaugenden Plagegeister, ist aber trotzdem nur ein Mittel für den Notfall

Gastfreundschaft ist eine Tugend, die sich besonders im Umgang mit ungebetenen Gästen zeigt. Besonders Gelsen zählen zu dieser Gattung. Vor allem in lauen Sommernächten kommen sie, die unliebsamen Besucher, sind hungrig und wollen verpflegt werden. Grundsätzlich bin ich da nicht zimperlich, sollen sich die Plagegeister doch an meinem Blut laben. Es gibt aber Momente, da hat selbst meine Gastfreundschaft Grenzen. Es ist vor allem dieses Sirren, mit dem die kleinen Störenfriede ihren Appetit verkünden und den Wirt um seinen Schlaf bringen.

Dann hilft nur noch die Jagd. Meine Waffen: Geschirrtücher oder Zeitungen, mit denen auf Decken, Wände und Kästen eingedroschen wird. Das kann lange dauern. Das Schlimmste daran: So ein Halali macht putzmunter.

Auch die leise "Kriegsführung" habe ich schon probiert. Vor langer, langer Zeit. Diese kleinen harmlos wirkenden Plättchen, die mit Strom ihre Wirkung entfalten sind höchst effektiv, aber nicht empfehlenswert. Denn das Nervengift, das den Gelsen den Garaus macht, hat auch in meinem Körper seine Wirkung entfaltet. Mit Kopfschmerzen und Halsweh den Tag zu beginnen ist mindestens genauso störend wie Schlafmangel.

Fünf Todesopfer

Die wohl beste Methode, um Stechmücken erst gar nicht in die Wirtsstube zu lassen, wären Moskitonetze. Ihr ästhetischer Wert ist allerdings unansehnlich gering. Seit einiger Zeit wird nun eine weitere Methode angepriesen, die den nächtlichen Schlummer garantieren soll. LED-Gelsenstecker. Der Preis meiner Wahl: rund sieben Euro. Da kann nicht viel schief gehen.

Das Prinzip dahinter: Gelsen werden bekanntlich von Licht angezogen. Das LED-Gerät illuminiert das Schlafzimmer ähnlich einer Vollmondnacht, die Biester werden vom blauen Schein angelockt und durch einen Stromschlag eliminiert. Etwas gewöhnungsbedürftig, so der erste Eindruck. Die Beute nach zwei Nächten: drei Gelsen.

Doch auch andere Insekten finden die Mückenfalle unwiderstehlich anziehend. Die traurige Bilanz: Ein Nachtfalter und ein Siebenpunkt-Marienkäfer mussten ebenfalls ihr Leben lassen. Das LED-Licht bleibt nun vorerst ausgeschaltet. Nur wenn das Sirren wieder zu nah ans Ohr dringt, wird das Licht für die Gelsen angeknipst. (Günther Brandstetter, 16.7.2017)

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Zum Weiterlesen:

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Gelsenstecker: Nervengift aus der Steckdose