Foto: APA/AFP/ANDREJ ISAKOVIC

Vettel bleibt im WM-Kampf mit Hamilton gelassen

17. Juli 2017, 13:51

Titelduell spitzt sich zu – Ferraripilot sieht trotz auf ein Minimum geschmolzenen Vorsprungs in WM-Wertung "keinen Grund zur Panik"

Silverstone – Das Reifen-Desaster von Silverstone hätte Sebastian Vettel fast die WM-Führung gekostet, die italienische Presse schlägt längst Alarm – doch im heißen Titelduell mit Lewis Hamilton rechnet sich der deutsche Ferrari-Pilot trotzdem weiterhin beste Chancen aus. "Es gibt keinen Grund zur Panik, niemand muss sich Sorgen machen", sagte der viermalige Formel-1-Weltmeister: "Wir sind auf dem richtigen Weg. Unser Auto ist schnell, unser Auto ist stark."

Nach seinem siebten Platz beim Großen Preis von Großbritannien ist der Vorsprung auf den siegreichen Mercedes-Piloten Hamilton zwar auf nur einen Punkt geschmolzen. Für Vettel sei das zur Halbzeit der Saison aber nicht relevant, betonte der 30-Jährige, der Zwischenstand interessiere ihn nicht.

Schonungslose italienische Presse

Ganz anders allerdings die Stimmung in Italien. Im Ferrari-Land stimmte die Presse gar eine Art Abgesang auf die WM-Chancen an. Die "schlimmste Niederlage der Saison" könne "eine Kehrtwende zugunsten des Rivalen Mercedes gewesen sein", schrieb etwa die Gazzetta dello Sport. Der "Vorsprung, der Optimismus und der Jubel der Tifosi" sei vorerst ausgelöscht, schrieb der Corriere dello Sport. Und die Repubblica urteilte: "Ferrari muss jetzt zittern. Inmitten der Saison beginnt Mercedes wieder, die Meisterschaft zu beherrschen."

Auch Vettel musste anerkennen, dass Mercedes in den vergangenen Wochen aufgeholt und die Scuderia enorm unter Druck gesetzt hat. Verbesserungspotenzial bei Ferrari sieht der Deutsche im Qualifying, bei dem Mercedes deutlich mehr Motorenleistung abrufen kann. Vor allem auf den Geraden sind Hamilton und Teamkollege Valtteri Bottas im Vorteil. Vettels Reifenplatzer eine Runde vor Schluss gibt den Italienern zudem viel Anlass zum Grübeln, die Ursache ist noch ungeklärt.

Gleichzeitig schwimmt Hamilton nach schwierigen Wochen wieder auf einer Euphoriewelle. "Ich bin so gut, wie ich es noch nie war", sagte der 32-Jährige nach seinem 57. Grand-Prix-Sieg und lobte sein Team: "Man sieht, dass sich unsere harte Arbeit ausgezahlt hat."

Die Silberpfeile hatten zu Saisonbeginn Schwierigkeiten, dass Auto optimal einzustellen, während der Ferrari auf jeder Strecke lief. Mittlerweile hat sich das Bild gewandelt. Mercedes scheint den Wagen im Griff zu haben, plötzlich hat Ferrari Schwierigkeiten mit den empfindlichen Reifen. Auch Kimi Räikkönens Pneus wollten in England nicht mehr, der finnische Ex-Weltmeister musste Landsmann Bottas kurz vor Schluss noch auf Platz zwei vorbeiziehen lassen. Laut Reifenhersteller Pirelli waren die Gründe für das Versagen bei Vettel und Räikkönen jedoch unterschiedlich.

"Ich wünsche niemandem Pech und freue mich sicher auch nicht darüber. Ich bin einfach froh, dass uns so etwas nicht passiert ist", sagte Hamilton. Er selbst habe zuletzt auch Rückschläge hinnehmen müssen. In Baku kostete eine defekte Kopfstütze den Sieg, in Spielberg musste sein Getriebe gewechselt werden. "Diese Dinge zeigen einfach, dass es keine perfekte Saison ist", sagte der Brite.

Fokus auf Budapest

Vettel sprach zwar von einem "enttäuschenden Rennen, weil mehr drin gewesen ist", hakte den Vorfall aber auch schnell ab. "Man kann da nicht viel machen. Dass der Reifen in die Luft fliegt, konnte man nicht wissen", sagte er und richtete den Blick auf das kommende Rennen am 30. Juli in Budapest: "Wir müssen an ein paar Dingen arbeiten, dann könnte es ganz anders aussehen."

Das weiß man auch bei Mercedes, entsprechend zurückhaltend äußerte sich der WM-Dritte Bottas (154 Punkte), der relativ knapp hinter Vettel (177) und Hamilton (176) liegt. "Wir dürfen jetzt nicht denken, dass wir auf jeder Strecke schneller sind. Wir wollen und müssen das Auto weiter verbessern", sagte der 27-Jährige: "In Budapest gibt es langsame Kurven und hohen Temperaturen. Deswegen reisen wir dort nicht mit übertriebenem Selbstbewusstsein an." (sid, 17.7.2017)