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Warum die rheumatoide Arthritis chronisch wird

18. Juli 2017, 10:42

Forscher konnten einen Zelltyp des Immunsystems identifizieren, der einen Stopp der Entzündungsreaktion bei Arthritis gezielt steuert

Erlangen – Die rheumatoide Arthritis ist eine der am weitesten verbreiteten Erkrankung der Gelenke. Vorwiegend Frauen sind davon betroffen. Dabei schädigt eine anhaltende Entzündung die Gelenke und den Knochen. Patienten leiden an Bewegungseinschränkungen und Schmerzen.

"Besonders dramatisch für die Betroffenen ist die Tatsache, dass die Entzündungsreaktion im Gelenk ausgesprochen chronisch ist und daher meist eine lebenslange Therapie erforderlich macht", sagt Georg Schett vom Universitätsklinikum Erlangen.

Lymphozyten im Winterschlaf

Wenig bekannt war bislang, wie sich die Entzündungen auflösen und warum diese Auflösung bei Rheumatikern nicht funktioniert. Erlanger Forscher konnten dieses Rätsel nun im Rahmen einer Studie lösen. Eine bislang wenig erforschte Zellgruppe des Immunsystems, die sogenannten angeborenen Lymphozyten, übernehmen die zentrale Rolle zur Auflösung von Entzündung, erläutert Simon Rauber, Erstautor der Studie.

"Bei Patienten mit rheumatoider Arthritis befinden sich diese angeborenen Lymphozyten in einer Art Winterschlaf. Die Entzündung bleibt daher bestehen. ‚Weckt‘ man angeborene Lymphozyten, kommt es zum Stopp der Entzündung und zur Beendigung der Schädigung am Gelenk", erläutert Studienleiter Andreas Ramming von der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg (FAU).

Gezieltere Therapie möglich

Die Entdeckung dieses Mechanismus könnte den Wissenschaftern zufolge einen völlig neuen Ansatz zur Entwicklung innovativer Behandlungsmethoden bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen darstellen.

Schon jetzt ermöglicht die Messung der Anzahl der angeborenen Lymphozyten im Blut eine Prognose des Behandlungsverlaufs. Sind nur wenige angeborene Lymphozyten im Blut vorhanden, kommt es zum Krankheitsschub und das Gelenk nimmt weiteren Schaden. Steigen sie jedoch an, ist dies mit einer Auflösung der Entzündung verbunden.

Durch deren Messung im Blut kann frühzeitig eine individuelle, gezieltere Therapie begonnen werden und der Patient vor einem erneuten Krankheitsschub bewahrt werden. "Diese Erkenntnis ermöglicht es in Zukunft, mit Hilfe der angeborenen Lymphozyten die Therapiequalität bei rheumatoider Arthritis entscheidend zu verbessern" so Ramming. (red, 18.7.2017)